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NOSTRADAMUS

Dr. Maria Langwasser

NOSTRADAMUS - EIN PROPHET, DER DIE WELT IN ATEM HÄLT

PROPHEZEIUNGEN - ODER ALLES NUR AUSGEDACHT?

WILL ER UNS NUR ANGST MACHEN?

WAS HAT MAN VON NOSTRADAMUS ZU HALTEN?

DAS BEWEGTE LEBEN DES MICHEL DE NOTREDAME

EINE KINDHEIT, DIE GROBES VERHEIZT

VORAUSSCHAUENDER KÄMPFER GEGEN DIE PEST

EIN RASTLOSER WANDERER

EINE NEUE ZUKUNFT ALS SCHRIFTSTELLER

GROBE EHRE AM KÖNIGSHOF UND EIN ENDE IN FRIEDEN

DAS PROPHETISCHE WERK

DIE KUNST DES WEISSAGENS

EIN SEHER MIT VORBILDERN

DIE WICHTIGE ROLLE DER ASTROLOGIE

Wozu ÜBERHAUPT IN DIE ZUKUNFT SEHEN?

EIN BLICK IN DIE GESCHICHTE: SEHER, WEISE UND SCHAMANEN …

ZUGÄNGE ZU SEINEN VERSEN

DER VERSCHLÜSSELUNGSCODE NOSTRADAMUS’

DIE LATEINISCHEN VERSE IN SEINEN VORWORTEN

DIE SPRACHE DES NOSTRADAMUS

DIE BRIEFE DES NOSTRADAMUS

DER BRIEF AN SEINEN SOHN CESAR

A PROPOS PROPHEZEIUNGEN

NOCH EIN PAAR BEGRÜNDUNGEN

STANDORTBESTIMMUNG EINES PROPHETEN

PROPHETIE - EIN SPIEL MIT DEM FEUER

ABSAGE AN DIE SCHWARZE MAGIE

PROPHETEN SIND AUCH NUR MENSCHEN

DÜSTERER BLICK IN DIE ZUKUNFT

Es IST EUCH GEWEISSAGT WORDEN

DER BRIEF AN KÖNIG HEINRICH

EIN GELEITWORT AN DIE ZWEIFLER

DIE ERSTE BERECHNUNG DES WELTALTERS

DIE DEKADENZ DER MACHT UND DIE KRIEGE DES 20. JAHRHUNDERTS

DER ANTICHRIST UND DER RETTER

DIE DEKADENZ DER KIRCHE UND IHRE ERNEUERUNG

DER ZUSTAND DER ANARCHIE UND DIE „GROBE SEUCHE“

DIE GROBE SCHLACHT IM MITTELMEERRAUM

EIN RÜCKBLICK IN DIE GESCHICHTE UND DIE ZWEITE BERECHNUNG DES WELTALTERS

DAS JAHR 1606

UND NOCH MEHR PROPHEZEIUNGEN

PROPHEZEIUNGEN, DIE GESCHICHTE WURDEN

DER HERZOG VON ALBA ERHEBT SICH GEGEN PAPST PAUL IV. DARAUFHIN ENTBRENNT EIN KRIEG ZWISCHEN DEM HERZOG VON ALBA UND DEM HERZOG VON GUISE (1557)

DER TOD DES ANTOINE DE BOURBON, KÖNIG VON NAVARRA (1562)

DON JUAN VON ÖSTERREICH VOR LEPANTO (1571) UND SEIN KAMPF GEGEN DIE AUFSTÄNDISCHEN IN DEN NIEDERLANDEN

DER STREIT ZWISCHEN HEINRICH III. UND DEM HERZOG VON ALENCON (1574/75)

DIE VERFOLGUNG DER ASTRONOMEN: BRUNO UND GALILEI (17. JH)

DIE HINRICHTUNG DES ENGLISCHEN KÖNIG CHARLES 1649 UND DIE BESETZUNG BELGIENS DURCH FRANKREICH (1658-1714)

KRIEG GEGEN DIE TÜRKEI UND WIEDERERLANGUNG UNGARNS DURCH DIE CHRISTEN (1682-99)

DIE ENGLISCHE KOLONIALHERRSCHAFT UND DER MACHTKAMPF MIT PORTUGAL

DIE REGIERUNGSZEIT LUDWIGS XV. (1715)

DAS ZEITALTER DER AUFKLÄRUNG (18. JAHRHUNDERT)

DIE REVOLUTION VON 1789 UND DIE EXEKUTIERUNG DES KÖNIGSPAARS

DER FINANZIELLE RUIN FRANKREICHS UND DIE AUSGABE VON PAPIERGELD (1789-1796)

DIE ERSTE REPUBLIK (1792-1799)

DIE FLUCHT DES KÖNIGSPAARES, SEINE HINRICHTUNG UND DER KRIEGSAUSBRUCH

DIE EISENSCHRANK-AFFÄRE UND DER PROZESS LUDWIGS XVI.

DIE ENTHAUPTUNG DES KÖNIGS UND DIE DARAUF FOLGENDE SCHRECKENSHERRSCHAFT

DIE GEBURT DES KAISERS NAPOLEON

NOCH EINMAL: NAPOLEON

DER FELDZUG NAPOLEONS NACH ITALIEN (1797)

NAPOLEON ZIEHT NACH ÄGYPTEN (1798)

DER „EDLE KÖNIG VON SARDINIEN“ (1798-1802)

NAPOLEONS MACHTANTRITT UND DAS ENDE DER REPULIK (9.11.1799)

DIE SCHLACHT BEI JENA UND AUERSTEDT (1805)

DIE KRIEGE NAPOLEONS UND SEINE ZWEITE HEIRAT

DIE BESETZUNG DES KIRCHENSTAATES UND DIE NIEDERLAGE IN RUSSLAND

DIE VERBANNUNG NAPOLEONS AUF ST. HELENA

DIE RÜCKKEHR DER MONARCHIE UNTER LUDWIG XVIII

DIE ENTDECKUNG DES PLANETEN NEPTUN 1846

DAS ENDE DER BOURBONEN-DYNASTIE: DER BÜRGERKÖNIG LOUIS-PHILIPPE

DER TOD DES PRINZEN VON CONDE

DER ANSCHLAG GEGEN NAPOLEON III (1856)

DER DEUTSCH-FRANZÖSISCHE KRIEG VON 1870

DIE FRIEDENSZEIT UND DER AUSBLICK AUF DEN ERSTEN WELTKRIEG

DER ERSTE WELTKRIEG

DIE INFLATION ALS FOLGE DES KRIEGES

DIE REVOLUTION DES PROLETARIATS

DIE OKTOBERREVOLUTION VON 1917

DIE UNTERDRÜCKUNG DER KIRCHE DURCH DIE BOLSCHEWISTEN

FRANCOS AUFSTIEG AN DIE MACHT IN SPANIEN

DIE NATIONALSOZIALISTISCHEN GEHEIMBÜNDE

DER TOD PIUS’XI. UND DIE AMTSZEIT DES PAPSTES PIUS XII.

DAS „DRITTE REICH“ UND DER GENOZID AN DEN JUDEN

DIE EXILREGIERUNG GENERAL DE GAULLES UND DIE LANDUNG DER ALLIIERTEN TRUPPEN 1944

NOCH EINMAL DEUTLICHER: DIE LANDUNG DER ALLIIERTEN (6.6.1944)

HITLER UND SEIN REGIME

DIE NÜRNBERGER PROZESSE UND DER BEGINN DES OST-WEST-KONFLIKTS

DIE BESIEDLUNG DES STAATES ISRAEL DURCH DIE JUDEN

DIE UNO UND DIE WELTKONFERENZEN

DER STAATSSTREICH AYATOLLAH KHOMEINIS

DER KONFLIKT UM ZYPERN

DER KRIEG INJUGOSLAWIEN

DIE SIEBENUNDFÜNFZIGJÄHRIGE FRIEDENSZEIT

DER TOD JOHANNES PAUL 1

… UND WAS NOCH AUF UNS ZUKOMMEN WIRD

Die Politikverdrossenheit und die große Enttäuschung durch die leeren Reden

Das Schlüsseljahr 1999 und der „König des Schreckens“

Die Korruption der Politiker und die Dekadenz der Macht

Die Verfolgung der Kurden in der Türkei

Die Tourismus-Industrie und der Hinweis auf den Erneuerer der Kirche

DIE ENTWICKLUNG DES PAPSTTUMS

Die Ermordung des Monarchen

Die Warnung des Papstes vor seiner Ermordung in Lyon

Der Tod des Papstes nach seiner Gefangennahme

Ein Prälat flieht aus Frankreich, das Bündnis zwischen Zypern und Tunis

Erneutes Schisma: Kampf zwischen den Weißen und den Roten

Der Papst gerät in Bedrängnis

Der große Stern und die Flucht des Papstes

Der Einfall der „Adler“ in Rom und die Flucht des Papstes

Der vorletzte Prophet und sein Beitrag zur Befreiung der Menschheit

Das Ende Roms und das Ende des Vatikans

UMWELTZERSTÖRUNG UND NATURKATASTROPHEN

DAS GROßE ERDBEBEN IN NORDSPANIEN

Erdbeben und Feuer in Südfrankreich

Die große Dürre im Süden

Hitze und Dürre in Griechenland

Trockenheit in Italien und Invasion von Jugoslawien

Heuschrecken und Bremsen in Italien

Wechsel zwischen Dürre- und Überschwemmungsperiode

Überschwemmung Großbritanniens und Krieg in Italien

Die Flüsse treten über die Ufer, Chaos und Plünderung der Städte

Der Rhein ändert seinen Lauf

Die zweite „Sintflut“

KRIEGE UND FRIEDEN

Militärischer Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei

Die Vereinigung der Roten und der Weißen gegen den babylonischen König

Krieg in Italien und die Entführung der Dame

Die Belagerung der Stadt am Meer

Der Zug der Nordafrikanischen Föderation gegen Italien

Der Krieg an der italienischen Riviera

Die Ausbreitung des Konflikts nach Norden

Die Niedermetzelung des Oberhauptes in Genf

Der Verrat an der Stadt Genf

Einfall von Britannien aus in Aquitanien

Frankreich wird von 5 Seiten angegriffen

Paris wird unbewohnbar

Zerstörung von Tharsus durch die französische Armee

Der Eroberer aus Blois

Die Seeschlacht und der Sieg „Neptuns“

Die Niederlage Mesopotamiens in Südfrankreich

Bürgerkrieg in Südfrankreich

Krieg und Massaker in der Bourgogne

Die Zwillingsherrschaft und der Krieg

Der König verlässt sein Land

Die arktische Union und die Schreckensherrschaft im Osten

Die Götter erscheinen den Menschen

Die Zerstörung der heiligen Stätten

Die Diktatur und die Gefangennahme von 300.000

Neuordnung der Welt, Marseille wird eingenommen

Die lange Friedenszeit

ANDERE WICHTIGE EREIGNISSE

Wichtige Erfindungen

Die Auflösung der großen Vereinigung

Die Prophezeiungen werden verstanden werden

Die Vergiftung des Feindes und die Anarchie

Das Prestige der arabischen Kultur in Frankreich

Die Verfeindung der Prinzen und Zerstörungen in Italien

Die Verschwörung der 14

Die Entführung des Roten

Der mächtige König in Spanien

Die große Hungersnot

Vorzeichen der Hungersnot oder einer Inflation

Die Entführung eines Schotten und sechs Deutscher nach Persien

Das „Reich“ wird in die Alpen verlegt

Neue Kulte und neue Prophezeiungen

Die Erneuerung des Lehens, der Sieg über den Tod

Nostradamus - ein Prophet, der die Welt in Atem hält

Nostradamus und seine Prophezeiungen haben über Jahrhunderte hinweg die Menschheit fasziniert, heute noch genauso wie damals. Jedes Jahr erscheinen neue Bücher über ihn, immer neue Interpretationen seines Werkes, immer neue Lesarten und Deutungen kommen in Umlauf, die für sich beanspruchen, diesmal aber nun wirklich dem „Stein der Weisen“ auf die Spur gekommen zu sein.

Bei diesem reichhaltigen Angebot an Informationen und verschiedenen Zugängen mag man sich heutzutage als kritischer Leser die Frage stellen: Was soll man jetzt nun eigentlich von diesem Nostradamus halten? Warum hat er seine Nachwelt mit seinen düsteren Prognosen so in Angst und Schrecken versetzt? Und wie schafft es dieser Mensch, der ja nun schon mehr als 430 Jahre tot ist, auf uns immer noch eine solche Faszination auszuüben?

Die letzte Frage kann wohl leicht beantwortet werden, denn schließlich sind wir Menschen von Natur aus neugierig und möchten wissen, was wir von der Zukunft zu erwarten haben. Auch in unseren modernen Zeiten, wo wir meinen, dass kein Aberglaube mehr unserem kritischen Verstand standhält und wir es gewohnt sind, uns erst alles wissenschaftlich beweisen zu lassen, bevor, wir an etwas glauben, auch und gerade heute greifen wir auf Nostradamus zurück.

Es ist sehr wahrscheinlich gerade die mystische und rätselhafte Machart seiner Verse, die uns ein geheimes Wissen erahnen lassen -spannender und seltsamer als nüchterne Wirtschaftsprognosen und Statistiken, die uns in heutiger Zeit einen wissenschaftlich fundierten „Blick in die Zukunft“ erlauben.

 

Prophezeiungen - oder alles nur ausgedacht?

Seine Aussagen sind heute so aktuell wie nie. Es ist in der Tat verblüffend, wie genau manche seiner Voraussagen eingetroffen sind. Aber es gibt viele Leute, die gerade deswegen daran zweifeln, dass es so etwas wie Prophezeiungen überhaupt gibt. „Kunststück!“, sagen sie, „Nichts ist einfacher, als eine Prophezeiung zu erfüllen, wenn man es darauf anlegt. Notfalls hilft man halt ein bisschen nach.“

Diese Einwände müssen in der Tat ernst genommen werden. Denn je genauer man die Zukunftsvoraussagen kennt und je fester man an sie glaubt, desto eher werden sie auch eintreffen - altes Prophetengesetz! Nicht zuletzt deshalb haben auch Könige, Herrscher und Diktatoren die Voraussagen des Nostradamus immer wieder dazu benutzt, ihre eigenen Herrschaftsansprüche zu rechtfertigen. So konnte sich zum Beispiel auch Napoleon darauf berufen, sein Aufstieg zum Kaiser sei doch der Wille Gottes gewesen, schließlich habe es Nostradamus ja prophezeit.

Nur zu leicht bieten sich solche Voraussagen dazu an, mit ihnen etwas beweisen zu wollen, was man dann auch „beweisen“ kann, zumal viele Sprüche sehr allgemein gehalten sind. Aber bei näherem Hinsehen kann man solchen Fehldeutungen einfach auf die Spur kommen. Dies erfordert allerdings einiges Geschick und viel Erfahrung mit der französischen Sprache des 16. Jahrhunderts, denn Nostradamus hat seine Voraussagen in verschlüsselten Versgedichten geschrieben, die voller Symbole stecken. Deshalb ist ihr ursprünglicher Sinn für uns heutige Leser schwer nachvollziehbar.

Generationen von Nostradamus-Interpreten streiten auch heute noch um die „wahre“ Bedeutung der Sprüche. Es hat sich jedoch immer wieder herausgestellt, dass erst nach dem Eintreffen eines bestimmten Ereignisses gesagt werden kann, ob sich eine Prophezeiung bewahrheitet hat oder nicht. Und genau das steht dem Argument entgegen, Prophezeiungen würden sich immer nur selbst bewahrheiten. Prophezeiungen sind verschlüsselt und stellen sich meistens hinterher als etwas ganz anderes heraus, als man es sich vorher erträumt hat. Gerade bei Nostradamus stellen sich oftmals die Bilder, die er benutzt, im Nachhinein in einem ganz anderen Zusammenhang dar und erklären ganz andere Dinge, als man vorher gedacht hat.

 

Will er uns nur Angst machen?

Wenn wir fragen, warum Nostradamus seine Nachwelt so in Angst und Schrecken versetzt hat, so unterstellen wir ihm damit ja indirekt, dass er uns in Angst und Schrecken versetzen wollte. Dies ist aber bestimmt nicht seine Absicht gewesen. Nostradamus war ein sehr frommer, fürsorglicher Mensch, schließlich begann er seine Laufbahn als Arzt, der alles versuchte, die ihm anvertrauten Patienten zu retten, wie es ihm irgendwie möglich war. Er wird beschrieben als ein sehr ruhiger Mensch von mittlerer Statur mit sanft blickenden, grauen Augen, der stets gut gelaunt war und eine gute Portion Humor besaß: Ein Menschenfreund, der uns bestimmt nicht ohne Grund Furcht einjagen, der uns aber auch das Fürchterliche, das er kommen sah, nicht ersparen wollte.

Wenn man seine Verse im Original liest, stellt man fest, dass sie sehr reich an Bildern sind. Diese Bilder beschreiben vor allen Dingen zukünftige Kriege und Katastrophen, und immer wieder ist vom Antichristen die Rede. Nostradamus erzählt all die Ereignisse aber sehr nüchtern, er beschreibt sie einfach, ohne große Kommentare. Er führt uns die Bilder in der Reihenfolge vor, wie sie ihm erschienen sind. Aber letztendlich sind es Bildfetzen; und es ist alles von der Interpretation der Verse abhängig, wie man diese Bildfetzen mit unserem heutigen Wissen deutet.

Im Gegensatz zu dem großen Weissager selber haben viele Übersetzer und Deuter seines Werks seine Verse benutzt, um Angst und Schrecken unter die Bevölkerung zu bringen! So waren sich in der Zeit des Kalten Krieges viele Nostradamus-Forscher darin einig, dass 1987 der dritte Weltkrieg ausbrechen sollte, da Nostradamus für das Ende des 20. Jahrhunderts eine „Zeit des Schreckens“ vorhergesagt hat, außerdem sieht er eine Invasion Europas für diese Zeit, die von Horden aus dem Osten angeführt wird, die „asiatisch, muslimisch und rot“ sind.

Es lag damals natürlich nahe, die „roten Horden“ als die Rote Armee bzw. allgemein die Streitkräfte der Warschauer-Pakt-Staaten zu identifizieren. Nach dem Zusammenbruch des Sozialismus, und vor allen Dingen nachdem bereits 12 Jahre nach dem nicht eingetretenen Dritten Weltkrieg vergangen sind, ist uns heutzutage klar, dass es sich hierbei wohl um eine etwas vorschnelle Deutung gehandelt haben muss.

Offenbar waren hier wieder einmal Leute am Werk, die die Prophezeiungen benutzten, um ihre eigenen Ängste bestätigt zu sehen. Im Verlaufe dieses Büchleins werden wir sehen, dass viele der Voraussagen sogar an Schrecken verlieren, wenn man sie wörtlich nimmt, und dass sie uns sogar Mut machen können, den kommenden Dingen gelassener entgegenzusehen.

 

Was hat man von Nostradamus zu halten?

Der Frage danach, was man von Nostradamus zu halten hat, mag jeder Leser und jede Leserin, die dieses Buch zur Hand genommen haben, am Ende der Lektüre für sich selbst entscheiden. Um ein umfassendes Bild von der Persönlichkeit des Nostradamus zeichnen zu können, wollen wir uns bemühen, seine Lebensgeschichte möglichst anschaulich darzustellen. Denn wenn wir uns vor Augen führen, in welcher Zeit dieser ungewöhnliche Mensch gelebt hat, werden uns viele seiner rätselhaften Aussagen klarer.

 

Das bewegte Leben des Michel de Notredame

Wir schreiben den 14. Dezember 1503. Michel de Notredame wird in eine sehr bewegte Zeit hineingeboren, eine Zeit voller Umwälzungen und Veränderungen. Die katholische Kirche und ihre Moralvorstellungen beherrschen das tägliche Leben, vom ersten Angelusläuten bis zum Nachtgebet. Die Erde ist, so sagen die Geistlichen, eine Scheibe, und die Sonne dreht sich um die Erde, den Mittelpunkt des Sonnensystems. Die Inquisition mit ihren Hexenverfolgungen und ihren Bücherverbrennungen ist auf dem Höhepunkt.

Und trotzdem geraten die Weltbilder allmählich ins Wanken: Nur elf Jahre zuvor ist Kolumbus in Amerika gelandet und hat eine Welle von Kolonisierungen ausgelöst. Der Buchdruck beginnt, sich als einträgliches Geschäft zu erweisen, und die ersten Zeitungen erscheinen. Schriftsteller wie Erasmus von Rotterdam (1467-1536) und Thomas Morus (1478-1535) geben mit ihren Schriften das Startsignal zur Renaissance und leiten die Ära des Humanismus ein. Nur wenige Jahre später, Nostradamus ist gerade 14 Jahre alt, erschüttert Luther in Wittenberg die Grundfeste der katholischen Kirche, indem er seine 95 Thesen an die dortige Schlosskirche nagelt. 1529 stehen die Türken vor Wien.

 

Eine Kindheit, die Großes verheißt

Das sind bedrohliche Aussichten für die römisch-katholische Glaubensgemeinschaft, zu der Jacques Nostradamus, der Vater der Familie, noch nicht lange zuvor vom jüdischen Glauben übergetreten ist. Dieser Umstand ist wohl auch für den ungewöhnlichen Nachnamen verantwortlich, den die Familie angenommen hat: Offenbar war „Notredame“ einfach der Name der Pfarrkirche, in der „Nostradamus“ (so ist die lateinische Version dieses Namens) getauft worden war.

Michel ist also das erste von insgesamt 17 Kindern des Notars Jacques de Notredame und seiner Frau Renee de Saint-Remy. Ihr Vater, Jean de Saint-Remy, war Leibarzt des Herzogs von Kalabrien. Dieser Großvater unseres kleinen Sehers sollte einen großen Einfluss auf seine Erziehung ausüben. Im Alter von 16 Jahren entscheidet er sich nämlich für die Aufnahme eines Medizinstudiums erst in Avignon und dann in Montpellier. Vieles deutet darauf hin, dass er sich schon in diesen frühen Jahren mit Astronomie und Astrologie beschäftigt. Außerdem ist er sich Zeit seines Lebens seiner Herkunft bewusst gewesen, denn als Abkömmling des jüdischen Stamms Isaschar steht er mehr oder weniger in der direkten Nachfolge mehrerer großer, alttestamentarischer Propheten. Isaias, Jeremias und Malachias finden sich in seiner Ahnenreihe. In seiner frühen Kindheit finden sich also schon Anzeichen für seine prophetische Begabung.

 

Vorausschauender Kämpfer gegen die Pest

Er wendet sich jedoch erst einmal einem ordentlichen Beruf zu und lernt fleißig seine Medizin in Avignon und Montpellier. 1525 muss er sein Studium unterbrechen, weil in Südfrankreich die Pest ausbricht. Dies gibt ihm zugleich die Möglichkeit, sich seine ersten Lorbeeren als Arzt zu verdienen. Denn er wandte damals schon Mittel an, die für die heutige Zeit selbstverständliche Grundsätze sind, die aber für die damalige Zeit noch sehr ungewöhnlich waren. Damals kannten die Ärzte nämlich nur zwei Allheilmittel gegen alle Krankheiten: den Aderlass und Einläufe, die die Menschen angesichts der schlimmen Krankheit nur noch mehr schwächten. Nostradamus dagegen verordnet einfache, antiseptisch wirkende Mittel für die Kranken und „entdeckt“ damit die ersten Vorläufer der modernen Antibiotika. Vor allem, und das lässt ihn sehr modern erscheinen, ist ihm bewusst, wie wichtig die Hygiene ist, um eine Ansteckungsgefahr zu vermeiden.

Das ist nicht selbstverständlich, da Seuchen im Mittelalter nicht etwa auf mangelnde hygienische Verhältnisse zurückgeführt wurden. Man kannte die verschiedenen Krankheitserreger und ihre Übertragungswege ja noch nicht. In einer Epidemie sah man vielmehr eine Strafe Gottes, die als Vergeltung für begangene Sünden die Menschen heimsuchte. Nostradamus entwickelt ein Desinfektionspuder, das in die Kleider gestreut werden sollte, und er verordnet den Gesunden Spülungen mit bestimmten Kräutern, die desinfizierende Wirkung haben und somit viele Leute vor dem Tod bewahren.

Schnell spricht sich sein Ruhm herum, und 1529 besteht er sein Doktorexamen mit Auszeichnung. Nostradamus lässt sich in Agen nieder, wo er im Hause des Philosophen Julius Cesar Scaglier lebt, heiratet und zwei Kinder bekommt. Das Glück ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn eine erneute Pestepidemie rafft seine junge Familie dahin, ohne dass er sie retten kann.

 

Ein rastloser Wanderer

Auf diesen schweren Schicksalsschlag folgen Wanderjahre, in denen er ganz Frankreich und Italien bereist und in denen er sich an mehreren Orten als Arzt und offenbar auch schon als Wahrsager betätigt. Genaueres über seine Aufenthaltsorte in dieser Zeit sind nicht bekannt, doch gibt es mehrere Hypothesen. Die einen sagen, dass er der geheimnisvolle Sehermönch von Orval gewesen sei, der just in dieser Zeit sich als Wahrsager hervorgetan und damit ganze Pilgerscharen nach Orval angelockt hatte. In einer Nacht- und Nebelaktion verschwand dieser Mönch von der Bildfläche - und Nostradamus tauchte an einem anderen Ort wieder auf. Andere Indizien sprechen dafür, dass er längere Reisen nach Nordafrika unternommen hatte, insbesondere nach Fez, welches in jener Zeit ein Zentrum für judizielle Astrologie gewesen war: eine Kunst, die Nostradamus aus dem Effeff beherrschte. Außerdem ist das Vorhaben des Arztes und Hellsehers bekannt, ein Buch über Ägypten schreiben zu wollen. Die Tatsache, dass er viele Details aus der ägyptischen Kultur und Geschichte kannte, weist darauf hin, dass er sich dort längere Zeit aufgehalten hat.

 

Eine neue Zukunft als Schriftsteller

Bei einer weiteren Pestepidemie in Aix-en-Provence (1546-1548) erscheint unser Doktor wieder in der Provence. Verbissen kämpft er 3 Jahre lang als Stadtarzt gegen die Krankheit, und das so gut, dass sogar der König auf ihn aufmerksam wird. Um 1548 heiratet Nostradamus ein zweites Mal; diesmal lässt er sich mit seiner Frau Anne Ponsard Gemelle in Salon-de-Craux nieder. Dieses Haus ist übrigens heute zu einem Museum umgebaut und kann besichtigt werden. Mit ihr wird er 6 Kinder haben. Als er sich nun also einmal häuslich niedergelassen hat, greift er immer öfter zur Feder, und schließlich nimmt die Schriftstellerei mehr Platz in seinem Leben ein als seine Tätigkeit als Arzt. Sie erweist sich außerdem als sehr einträglich: Während er zu Zeiten seines Umzugs nach Salon noch auf die finanzielle Hilfe seines Onkels angewiesen war, sollte er 19 Jahre später als mehrfacher Millionär und einer der reichsten Männer der Provence sterben.

Zunächst schreibt er Ratgeberliteratur, die oftmals Gesundheitstipps enthält, aber er veröffentlicht auch Prognosen und Kalender. Ab 1550 gibt er den ersten Almanach heraus, der von da an jährlich erscheinen und ein beliebtes Allerweltshandbuch werden wird. Er enthielt Informationen über das kommende Jahr, gab die günstigsten Zeiten zu Aussaat und Ernte, sagte das Wetter und die Sternenkonstellationen voraus, kurzum: Ein allgemeines Jahreshoroskop, wie wir es in ähnlicher Form auch aus heutigen Zeitschriften um den Jahreswechsel herum regelmäßig finden.

 

Große Ehre am Königshof und ein Ende in Frieden

8 Jahre später, 1556, wird er von König Heinrich II. und der Königin Katharina de Medici an den königlichen Hof zu Paris gerufen. Im Jahr zuvor waren die ersten dreieinhalb Centurien O Versammlungen zu je 100 Vierzeilern) seiner berühmten Prophezeiungen erschienen. Das Königspaar wollte nun seinerseits die Zukunft vorhergesagt bekommen, was für Nostradamus natürlich eine heikle Angelegenheit war, denn er hatte der Königsfamilie nicht nur gute Nachrichten zu überbringen. So sah er zum Beispiel den Tod des Königs während eines Turniers in folgenden Versen voraus:

Le lyon jeune le vieux surmontera, En champ bellique par singulier duelle: Dans caige d’or les yeux lui crevera: Deux classes une, puis mourir, mort cruelle (I. 35)

Übersetzung:

Der junge Löwe wird den alten besiegen, Auf dem Kampfplatz in einem Duell, einer gegen einen. Er wird ihm die Augen zerstechen in seinem Goldhelm Von Zweien bleibt immer nur einer übrig, dann heißt es sterben, einen grausamen Tod.

3 Jahre später, 1559, bewahrheitet sich diese Verheißung bei einem Turnier, das der König zur Hochzeit seiner beiden Töchter geben lässt. In einem Duell trifft er auf den schottischen Hauptmann Graf de Montgomery, dessen Schild mit einem Löwen geschmückt ist, genau wie sein eigener. Und, wie es so kommen muss, die Lanze des Gegners bricht entzwei, und ein Splitter

dringt durch das Visier des Königs in dessen Auge. Nach zehntägigem Ringen um das Leben des Monarchen erliegt dieser schließlich seinen Verletzungen.

Der Königin weissagt er, dass drei ihrer Söhne König werden würden, und so kommt es dann auch. Der Älteste, Franz, fällt nach nur einem Jahr Regentschaft einem Giftanschlag zum Opfer. Danach kommt der Mittlere, Karl, auf den Thron. Karl der IX. wird nur 24 Jahre alt, bevor sein Bruder Heinrich ihn ablöst.

Von Cesar Nostradamus, dem ältesten Sohn des großen Weissagers, wissen wir, dass sein Vater in seinen letzten Jahren wohl sehr an Rheuma und Gicht gelitten hat. Eine Wassersucht verschlimmert seinen Gesundheitszustand, und am 2. Juli 1566 stirbt Nostradamus an einer Herzattacke, so, wie er es selbst schon vorhergesehen und niedergeschrieben hatte.

 

Das prophetische Werk

Ab 1555 veröffentlicht Nostradamus sein Hauptwerk, die so genannten „Centuries“. „Centuries“ kommt vom lat. centum (frz. „cent“) und bedeutet „Hundertschaft“. Eine Centurie ist also eine Sammlung von hundert Dingen. Es kann auch die Bedeutung Jahrhundert“ haben, und das hat mehrere Nostradamus-Ausleger auf eine falsche Fährte geführt. Sie dachten, eine Centurie bezieht sich jeweils auf ein Jahrhundert. Aber das kommt rein rechnerisch gar nicht hin. Bei Nostradamus handelt es sich viel eher um eine Sammlung von hundert so genannten „Quatrains“. Dieses Wort wiederum leitet sich vom französischen „quatre“ ab und bedeutet „Einheiten zu je vier“. In diesem Falle sind es Gedichte, die jeweils vier Zeilen umfassen und die, jedes für sich genommen, eine prophetische Einheit bilden.

In der ersten Ausgabe seines Werks, die 1555 in Lyon erscheint, befinden sich die ersten dreieinhalb Centurien, die zusammen 353 Verse umfassen. 1557, nur zwei Jahre später, erscheint bereits die vierte Auflage seines Werks, und diese sollte schon sechseinhalb Centurien enthalten (sechs vollständige und die siebte bis zum 42. Vers). Erst 1558 besteht das Werk aus tatsächlich zehn Centurien. Während die siebte unvollendet bleibt, widmet Nostradamus die Centurien VIII, IX und X König Heinrich II. Auch die Ausgabe von 1568, zwei Jahre nach dem Tod des Verfassers veröffentlicht, enthält noch diese originale Grundfassung. Diese Version enthält jedoch bereits den Brief, den Nostradamus an seinen Sohn Cesar geschrieben hat, sowie einen Quatrain am Ende der sechsten Centurie, der in einem lateinischen Kauderwelsch verfasst ist.

In den Ausgaben der folgenden Jahre werden den „Centuries“ noch mehrere Verse einverleibt, einiges wird geändert, vor allen Dingen in der siebten Centurie werden noch die fünfzig fehlenden Quatrains ergänzt, in der achten kommen acht weitere dazu. Als eine elfte und zwölfte Centurie werden einige Sechszeiler angehängt, die angeblich aus dem Nachlass stammen. Wenn man aber bedenkt, dass Nostradamus“ Schriften schon zu seinen Lebzeiten einen ungeheuren Erfolg hatten, dann scheint es sehr wahrscheinlich, dass der ein oder andere (Verleger?) ein paar Verse dazugemogelt hat, um den Lesern noch etwas mehr zu bieten als die vorherigen Ausgaben. Also ist hier Vorsicht geboten: Es ist nicht alles Nostradamus, wo sein Name draufsteht!

Als sicher von Nostradamus stammend kann man nur die Verse betrachten, die schon zu seinen Lebzeiten erschienen sind. Denn er nahm seine Prophezeiungen sehr ernst und hätte nicht zugelassen, dass von fremder Hand etwas an ihnen geändert würde. Alles, was also über die originale Grundfassung hinausgeht, muss mit größter Skepsis betrachtet werden, auch wenn die Herausgeber behaupten, die einen oder anderen Verse seien im Nachlass gefunden worden. Wenn Nostradamus diese Verse als entscheidend betrachtet hätte, so hätte er sie in sein Buch schon selbst aufgenommen!

 

Die Kunst des Weissagens

Estant assis de nuit secret estude, Seul repousé sus la seile d’aerain, Flambe exigue sortant de solitude Fait proférer qui n’est à croire vain. (1.1.)

La verge en main mise au milieu de Branches, De L’onde il moulle & le limbe & le pied. Vapeur & voix fremissent par les manches: Splendeur divine. Le divin près s’assied. (1.2.)

Übersetzung:

Nachts bei Studien in seinem Studierzimmer sitzend, Alleine und ruhig auf seinem bronzenen Sitz erscheint eine winzige Flamme aus der Einsamkeit und entlockt ihm Dinge, an die man nicht vergeblich glauben soll.

Die Rute in der Hand, inmitten Branchis, Von Wasser wird ihm Kleidersaum und Fuß feucht.

Dampf und Stimme beben durch die Ärmel Göttliches Leuchten. Das Göttliche gesellt sich nah zu mir.

Auf diese Weise beginnt der große Seher sein Werk. Er beschreibt uns hier ziemlich genau, wie seine nächtlichen Seancen vor sich gingen. Er sitzt auf einer metallenen Sitzgelegenheit und scheint sich sehr intensiv auf einen Punkt zu konzentrieren, an dem ihm dann eine kleine Flamme erscheint, die ihm Visionen und Eingebungen gibt. Diese kleine Flamme entspricht dem Heiligen Geist, der zum Pfingsttag auf die gleiche Art und Weise den Jüngern Jesu erschien.

Im zweiten Quatrain beschreibt er eine Variante seiner Vorgehensweise, indem er nämlich in einem Wasserbottich steht und eine Wünschelrute in der Hand hält. Dabei ist es offenbar wichtig, dass sein Kleidersaum und seine Füße vom Wasser benetzt sind. Die Dämpfe, und mit ihnen die Stimmen, steigen zu ihm auf und geben ihm die göttlichen Eingebungen.

 

Ein Seher mit Vorbildern

Diese Praktiken entsprechen alten Traditionen und wurden schon zu Zeiten des Orakels von Delphi so angewandt. Im antiken Griechenland saß die Seherin Pythia auf einem dreifüßigen, eisernen Schemel und atmete schweflige Dämpfe ein. Diese versetzten sie in einen Trancezustand, in dem sie ihre Visionen erhielt. Auch Nostradamus sollte so seine Visionen erhalten. Im zweiten Quatrain, in der Version mit der Wünschelrute, erwähnt er sogar direkt den Namen „Branchis“.

Die Branchiden waren eine Gemeinschaft von Priesterinnen in Milet, die alle Abkömmlinge des Helden Branchus waren. Als Branchus noch im Mutterleib war, träumte seine Mutter, sie habe die Sonne verschluckt und würde sie hinterher zur Welt bringen. Als junger Mann wurde Branchus Geliebter des Apollon, der ihm die Gabe der Prophetie schenkte.

Die Priesterinnen führten die Tradition der Weissagung fort, und sie verfuhren dabei auf die Art und Weise, wie sie Nostradamus beschreibt: Die Priesterin stellte sich in einen Wasserbottich, wobei sie sich an einen eisernen Dreifuß lehnte. Sie beugte sich hinunter, um die Dämpfe einzuatmen, die aus dem Bottich stiegen. Die Wünschelrute begann dann zu hüpfen und auf die Buchstaben zu zeigen, die um den Bottich herum verteilt lagen.

Nostradamus sieht sich in diesen Traditionen, und er schreibt seinem Sohn auch, dass er sich mit Magie beschäftigt hat. Allerdings warnt er seinen Sohn vor diesen Dingen und betont, dass ihm seine Visionen von Gott direkt eingegeben worden sind. Diese Visionen zeigten sich meistens als eine schnelle Aufeinanderfolge von Bildern, sie liefen wie ein Film vor seinem geistigen Auge ab. In der kurzen Zeit, in der dies passiert, ist es natürlich schwierig, die Orte genau zu erkennen oder Hinweise auf die Zeit wahrzunehmen, in der sich die Visionen verwirklichen werden. Um dennoch genauere Angaben zu diesen wichtigen Umständen zu bekommen, kam ihm in dieser Situation sein umfangreiches Wissen über die Astrologie zu Hilfe. Anhand von präzisen Berechnungen konnte er sozusagen wissenschaftlich überprüfen, wann die Visionen Wirklichkeit werden sollten.

 

Die wichtige Rolle der Astrologie

Unter den mittelalterlichen Wissenschaften stellt die Astrologie eine Grenzwissenschaft dar. Horoskope und ähnliche Wahrsagungen, die das zukünftige Geschick einzelner Personen betrafen, waren streng verboten. Thomas von Aquin, der große Kirchenlehrer des 13-Jahrhunderts, betrachtet sie als Teufelswerk, als Aberglauben. Nichtsdestotrotz erkannte die Kirche an, dass Gott den Menschen über die Stellung der Himmelskörper wichtige Botschaften über den Verlauf der Weltgeschichte mitteilen wollte. Schließlich ist die Bibel voll von Botschaften dieser Art, wenn man nur allein an den berühmten „Stern von Bethlehem“ denkt. Außerdem hatten die Kirchenmächtigen selber ein Interesse daran, Einblicke in die Zukunft zu erhalten und über große bevorstehende Ereignisse informiert zu werden wie z.B. Sonnen- und Mondfinsternisse, Katastrophen, Kriege und Seuchen. Deshalb waren bestimmte Formen der Astrologie erlaubt und wurden auch von Mönchen betrieben.

Als drittes Element, damit sich der magische Kreis um die Zahl „3“ schließt, trug natürlich auch sein familiäres Erbe dazu bei, Nostradamus zu einem der größten und anerkanntesten Seher zu machen, der uns aus dem Mittelalter überliefert ist.

 

Wozu überhaupt in die Zukunft sehen?

Mit diese Frage berühren wir einen sehr empfindlichen Punkt in unserem Dasein. Eigentlich könnten wir uns Ja sagen: Wir leben in der Gegenwart, und die hält schon genug Probleme bereit, warum sollten wir uns auch noch mit den Problemen beschäftigen, die in weiter Zukunft liegen? Was hat Nostradamus selbst so an der Prophetie gereizt, dass er nächtelang wachte, um mehr über das zu erfahren, was noch auf die Menschheit zukommen würde, ihn selbst aber längst nicht mehr betraf?

Die Frage berührt uns wahrscheinlich deshalb so, weil wir sterblich sind und dennoch erfahren möchten, dass das Leben weitergeht. Und erst recht in Zeiten, wo wir Menschen Waffen entwickelt haben, die genug Energie haben, die ganze Erde zu zerstören. Wo jeden Tag neue Zeitungsmeldungen uns verheißen, dass die Energieressourcen zur Neige gehen, die Klimakatastrophe uns bedroht, und viele andere schreckliche Dinge mehr, macht sich eine fatalistische, apokalyptische Stimmung breit, die uns gerne davon überzeugen möchte, wir seien bald am Ende der Weltgeschichte angelangt.

Es beruhigt uns daher, wenn Nostradamus uns weissagt, dass uns zwar schlimme Kriege erwarten, dass unsere „Spiele“ mit der Atomenergie sich als ein Spiel mit einer Zeitbombe erweisen werden, die auch irgendwann einmal hochgehen und viel Leid verursachen wird: Aber das Leben geht weiter, er sagt uns noch 1799 weitere Erdenjahre voraus, in denen es auch lange Friedenszeiten geben wird. Und das kann uns und nachfolgenden Generationen wieder Mut machen. In dem Vorwort zu seinen „Centuries“, das Nostradamus 1555 seinem Sohn widmet und das uns alle anspricht, nennt Nostradamus alle diese wichtigen Gründe, die ihn dazu veranlasst haben, seine Nächte für uns zu opfern (Es ist bekannt, dass Nostradamus nie länger als 4 Stunden Schlaf pro Nacht hatte).

Er legt uns aber noch eine Angelegenheit ans Herz, denn er sieht auch eine sehr sinnvolle Aufgabe in der Publikation seiner Prophezeiungen. Er sieht seine Prophezeiungen nämlich eher als Skizzen zukünftiger Möglichkeiten, nicht so sehr jedoch als Schicksalsboten unweigerlich eintreffender Ereignisse. Daher möchte er uns ermahnen, unsere Zukunft selbst in die Hand zu nehmen, auch wenn dies paradox erscheinen mag.