Vorwort

„Abnehmen ohne Diät – das ist doch gar nicht möglich!“

Diese Meinung vertreten viele Menschen. Dabei unterliegen sie allerdings einem Missverständnis: Viele gängige Diätmethoden helfen lediglich kurzfristig dabei, Gewicht zu verlieren. Das Wunschgewicht danach auch zu halten, ermöglichen sie nicht: Allzu oft gewinnt man die verlorenen Pfunde in kürzester Zeit zurück. 

Das Erreichen und Halten des Wunschgewichts erfordert keine Modediät, wohl aber die Bereitschaft, viel Zeit und Energie zu investieren. In diesem Buch finden Sie Vorschläge zur dauerhaften Änderung Ihrer Essgewohnheiten, aber auch Tipps zur „Ursachenforschung“: 

Oft stecken psychische Belastungen oder ungeklärte Probleme hinter einem ungesunden Essverhalten. Auch erlernte Verhaltensmuster können ein Faktor sein. In einer Übersicht finden Sie hier eine Zusammenstellung möglicher Ursachen für Übergewicht.

Die Basis der Gewichtsreduktion sind Sport und gesunde Ernährung. In diesem Buch erhalten Sie Tipps zu einer ausgewogenen Ernährung und Informationen zu den wichtigsten Nährstoffen. Darüber hinaus lernen Sie Sportarten kennen, die auch für Untrainierte geeignet sind. Sie bekommen zudem einen Überblick über die bekanntesten Diätmethoden und ihre Risiken.

Sich auf neue Lebens- und Essgewohnheiten einzustellen ist harte Arbeit – aber es lohnt sich! Mit den hier gesammelten Informationen können Sie es schaffen, Ihr Gewicht auf gesunde Art langfristig zu reduzieren.

Dr. Maria Langwasser

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Impressum



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© 2012 Mathias Lempertz GmbH


ISBN: 978-3-939284-79-6

Dr. Maria Langwasser

Abnehmen ohne Diät

Edition Lempertz

1. Wie sieht die Vorgehensweise beim Abnehmen ohne Diät aus?

Zuerst einmal lernen Sie die häufigsten Ursachen für Überge¬wicht kennen. Vielleicht erkennen Sie bei dem einen oder anderen Punkt ein Problem, das auch Sie haben könnten. Lesen Sie daher die einzelnen Ursachen für Übergewicht aufmerksam durch und machen Sie sich an den Stellen, an denen Sie sich selbst zu erkennen glauben Notizen.

Sie ahnen es wahrscheinlich schon: Es kommt jede Menge Arbeit auf Sie zu. Bei dieser Methode ist es nicht damit getan, dass Sie sich an einen streng vorgegebenen Diätplan halten. Im Gegenteil: Vergessen Sie alle Diäten. Werden Sie selbst aktiv und lernen Sie, vernünftig zu leben. Sie werden daher auch erfahren, warum Diäten nicht der geeignete Weg zur Gewichtsreduktion sind. Dazu gehört auch, dass Sie sich klar machen, wie Übergewicht überhaupt entsteht.

Da ein besonders hohes Übergewicht von der Natur nicht vorgesehen ist, bleibt es auch nicht ohne Folgen für die Gesundheit. Diese Folgen werden ebenfalls erläutert. Bei vielen Menschen bewirkt allein schon die Tatsache, dass Sie erkennen, was Sie Ihrem Körper zumuten, wenn Sie nicht auf Ihr Gewicht achten, kleine Wunder. Man kann zwar ganz bestimmt nicht sagen, dass jeder, der die gesundheitlichen Folgen von Übergewicht kennt, auch konsequent abnimmt. Es kann jedoch ein gewisser Ansporn dazu sein und gerade bei etwas so Schwieri¬gem wie der Reduzierung von Übergewicht ist jeder noch so kleine Ansporn Gold wert.

Wer sich noch nicht ganz schlüssig ist, ob er überhaupt abnehmen sollte oder sogar muss, findet zudem einige Anhaltspunkte dafür, wie sein eigenes Gewicht einzuschätzen ist. Dazu werden die wichtigsten Theorien zur Ermittlung des normalen Körpergewichtes vorgestellt. Nach welcher Theorie man sich dann letztendlich richtet, hängt von jedem einzelnen ab.

Wenn Sie dann zu dem Schluss kommen, dass Sie Ihr Gewicht reduzieren können, müssen Sie natürlich auch wissen, wie Sie es anfangen sollten. Obwohl Diäten kein geeignetes Mittel dazu sind, ist Ihnen dennoch ein ganzes Kapitel gewidmet. In diesem Kapitel erhalten Sie einen Überblick über bekannte Diäten und es wird erklärt, warum diese nicht empfehlenswert sind. Da unmöglich alle Diäten untersucht werden können, dienen diese Diäten als Beispiele für alle anderen Diäten. Auch Fasten-Hilfsmittel wie zum Beispiel Appetitzügler sind keine Lösung und werden daher auch behandelt.

Der nächste Schritt, für Sie besteht darin, dass Sie ganz konkret Ihre individuellen Ursachen für Ihr Übergewicht herausfinden. Sie haben ja schon damit angefangen, als Sie das Kapitel über die Ursachen von Übergewicht gelesen haben. Nun sollten Sie anhand einer Tabelle systematisch untersuchen, welche der aufgeführten Ursachen auf Sie zutreffen, denn meist ist nicht ein einziger Faktor dafür verantwortlich, dass ein Mensch zuviel isst, sondern eine Kombination mehrerer Faktoren. Beim Durcharbeiten dieser Tabelle erhalten Sie eine kleine Hilfestellung, indem Ihnen einige Denkanstöße gegeben werden.

Wer seine Essgewohnheiten verändern will, muss natürlich zuerst einmal wissen, was und vor allem auch wie viel er isst. Um dies herauszufinden, sollten Sie einige Tage lang eine Art Tagebuch führen, in dem Sie eintragen, was Sie wann gegessen haben und wie viel davon. Auf diese Weise kommen Sie garantiert schon einigen Ihrer Ernährungsfehler auf die Spur und erhalten so auch die Grundlage, diese zu beseitigen. Dazu gehört nicht nur, dass man die Zusammenstellung seines Speiseplanes verändert, sondern auch, dass man lernt, wie man richtig isst.

Damit Sie eine Vorstellung davon bekommen, was man essen sollte, ist dann ein ganzes Kapitel dem Thema gesunde Ernährung gewidmet. Gesund bedeutet hier, dass die Ernährung ausgewogen und vollwertig ist. Nur wenn Sie sich dauerhaft vollwertig und bewusst ernähren, haben Sie die Chance, Ihr Gewicht zu halten, nachdem Sie Ihr Übergewicht beseitigt haben, sonst werden Sie Ihr Problem nie los.

Damit Sie wissen, wie man einen ausgewogenen Speiseplan zu¬sammenstellen kann, wird kurz erklärt, welche Stoffe in der Ernährung enthalten sein sollten. Ganz abgesehen davon, dass Sie durch diese Art sich zu ernähren, die Chance haben, länger gesund und vital zu bleiben, auch wenn Sie schon etwas älter sind. Da es nicht ganz einfach ist, von einer konventionellen Ernährungsweise auf Vollwertkost umzustellen, erhalten Sie einige Tipps zur Gestaltung der Umstellungsphase.

Neben Ihren Essgewohnheiten müssen Sie allerdings auch einige andere Lebensgewohnheiten umstellen. Dazu gehört auch, dass Sie Stress möglichst weitgehend aus Ihrem Alltag verbannen sollten. Nur wer innerlich zur Ruhe kommt und sich nicht unnötig unter Stress setzt, ist im inneren Gleichgewicht und baut so einen gewissen Schutz gegen Essstörungen auf. Sie sollten sich immer wieder vor Augen halten, dass Stress einer der größten Feinde Ihrer seelischen und geistigen Gesundheit ist.

Ganz wichtig ist zudem, dass Sie regelmäßig Sport treiben. Dies sollten Sie Ihrer Figur und Ihrer gesamten körperlichen Gesundheit zuliebe tun. Auf diese Weise halten Sie Ihren Stoffwechsel in Schwung, Sie bleiben länger gesund und aktiv und es gelingt Ihnen in jedem Fall, Ihre neue Figur zu halten.

Zusammenfassung des Programms:

- Ursachen für Übergewicht kennenlernen
- Entstehung von Übergewicht
- Folgen von falscher Ernährung und Übergewicht
- Muss ich mein Gewicht reduzieren?
- Was kann ich gegen mein Übergewicht tun?
- Warum esse ich zu viel?
- Wie viel esse ich?
- Beseitigung typischer Ernährungsfehler
- Wie sieht gesunde Ernährung aus?
- Tipps für die Umstellungsphase
- Stress abbauen
- Sport treiben

2. Ursachen für Übergewicht

Die Ursachen für Übergewicht sind sehr vielfältig. Das Grundproblem übergewichtiger Menschen dürfte jedoch sein, dass sie falsche Ess- und Lebensgewohnheiten haben, die durch mehr oder weniger große Gewichtsprobleme deutlich werden.

Die einzelnen Probleme, aus denen diese falschen Gewohnheiten resultieren, sind nicht auf eine bestimmte Zahl zu begrenzen und sind in den einzelnen Fällen auch sehr unterschiedlich zu gewichten. Oft ist es eine Kombination mehrerer Probleme, die die Menschen dazu bringt, zu viel zu essen.

Wenn diese Probleme auch kaum alle aufzuzählen sind, so gibt es doch sozusagen einige ‚Standardprobleme‘, die in den meisten Fällen von Übergewicht in irgendeiner Weise beteiligt sind. Dazu gehört beispielsweise mangelndes Wissen der Betroffenen über eine richtige Zusammenstellung der Nahrung. Dies ist gerade in der heutigen Zeit paradox, weil es noch nie eine Zeit gegeben hat, zu der die Wissenschaft über so detaillierte ernährungswissenschaftliche Kenntnisse verfügt hat wie die unsere. Dieses Wissen ist jedoch in erster Linie bei den Menschen vorhanden, die an seiner Erforschung beteiligt sind und nicht bei den Normalverbrauchern, die selten die Zeit und die Motivation haben, sich mit einem in ihren Augen so trockenen und unwichtigen Thema auseinanderzusetzen.

Als Folge schaufeln die meisten Menschen so ziemlich alles, was die Werbung ihnen anpreist, gedankenlos in sich hinein und wundern sich, dass sie immer dicker und kränker werden. Ihnen ist schlicht und einfach nicht bewusst, dass ein sehr enger Zusammenhang zwischen einer falschen Ernährung und den sogenannten Zivilisationskrankheiten besteht.

Ein weiterer Faktor ist, dass unser Alltagsleben in der Regel sehr von Stress und Hektik geprägt ist und viele Menschen darauf mit erhöhter Nahrungsaufnahme reagieren. Dazu kommt, dass dieser Stress nicht durch vermehrte Bewegung ausgeglichen wird. Im Gegensatz zu früher nehmen die Menschen mehr Kalorien mit ihrer Nahrung auf, bewegen sich aber in den meisten Fällen insgesamt weniger, und so veranlassen sie ihren Körper, die überschüssig aufgenommene Energie in Fettpolstern als Vorrat für schlechte Zeiten, die hierzulande aber nie kommen, abzulagern.

Ein anderes Problem ist, dass viele Menschen an mehr oder weniger starken psychischen Problemen leiden, die sie durch übermäßiges Essen mildern wollen. Dies kann jedoch nicht gelingen, weil Essen nur den Körper satt macht, nicht aber die Seele. Vermehrte Nahrungsaufnahme löst eben keine seelischen Probleme, sondern kann sie immer nur für kurze Momente in den Hintergrund treten lassen, bis sie dann wieder von neuem aufflackern.

Diese Ursachen, die in der Einführung nur kurz angesprochen wurden, werden jetzt noch eingehender beschrieben:

2.1. Psychische Ursachen für Übergewicht

Essen zur Kompensierung persönlicher Probleme

Viele Menschen essen mehr, als sie zum satt Werden bräuchten, weil sie damit unbewusst persönliche Probleme kompensieren wollen. So kann es zum Beispiel sein, dass jemand, der gerade einen herben Verlust oder eine schlimmere persönliche Niederlage erlitten hat, anfängt, unkontrolliert und weit über das notwendige Maß zu essen. Im ersten Moment fühlt er sich dann wohler als vorher. Dies liegt zum einen daran, dass nach der Nahrungsaufnahme der Blutzuckerspiegel steigt. Außerdem bewirken bestimmte Nahrungsmittel die Ausschüttung von Hormonen im Körper, die dem Menschen für eine begrenzte Zeit Glücksgefühle verschaffen. Leider halten diese Glücksgefühle und der erhöhte Blutzuckerspiegel nicht allzu lange an. Gerade wenn man als Trost Speisen mit sehr hohem Zuckergehalt zu sich nimmt, fällt er umso rapider ab, und man fühlt sich oft noch schlechter als vorher. Gleichzeitig will der Körper den niedrigen Blutzuckerspiegel wieder erhöhen und verlangt deshalb energisch nach erneuter Nahrungszufuhr.

Mit dem Ergebnis, dass man dann wieder anfängt zu essen... Damit beginnt ein Teufelskreis, der ein sich ständig steigerndes Gewicht zur Folge hat und statt die alten Probleme zu beseitigen, nur noch neue schafft. Gerade wenn ein solches Verhalten schon in der Kindheit beginnt, können die betreffenden Menschen nur noch unter großen Anstrengungen zu einem normalen Gewicht gelangen.

Zu hohe Ansprüche an sich selbst

Doch nicht nur Schicksalsschläge, sondern auch überzogene Ansprüche an sich selbst können ein solches Essverhalten zur Folge haben. Viele Menschen wollen im Beruf oder im Familienleben möglichst perfekt sein und laufen ständig ihrer eigenen Idealvorstellung von sich selbst oder ihrer Arbeit hinterher. Sie schaffen es jedoch nie, diesem von ihnen selbst entworfenen Bild gerecht zu werden und werden dadurch immer unzufriedener. Da sie in dem, was sie tun, keine Bestätigung und erst recht keine Befriedigung finden, flüchten sie sich in den übermäßigen Konsum von Nahrung und essen sich den Frust vom Leib, nehmen aber immer mehr zu und sind dadurch nur noch unzufriedener mit sich und ihrer Situation. Da das eigentliche Ziel, nämlich Anerkennung, natürlich nicht dadurch erreicht werden kann, dass man zu viel isst, leiden die Betroffenen weiter an ihren Problemen. Gleichzeitig essen sie immer weiter und kommen nicht mehr aus diesem Teufelskreis von Geltungssucht, mangelndem Selbstbewusstsein und Selbstachtung und immer größerem Übergewicht heraus.

Mangelndes Selbstbewusstsein

Oft ist auch schlicht und einfach mangelndes Selbstbewusstsein eine Ursache für falsche Essgewohnheiten. Gerade heutzutage, wo es ein bestimmtes Schönheitsideal gibt, das nur von den wenigsten Menschen erreicht wird und erreicht werden kann, fühlen viele Menschen sich minderwertig, wenn sie eben dieser Idealvorstellung nicht entsprechen. Statt den Versuch zu unternehmen, das eigene Selbstwertgefühl zu stärken und sich so zu akzeptieren wie sie sind, flüchten solche Menschen sich vor ihren Kühlschrank und stopfen alles in sich hinein, was ihnen in die Quere kommt. Die Folge ist jedoch nicht, dass die eigenen Probleme gelöst werden, sondern dass nur noch neue Probleme - gesundheitlicher wie psychischer Natur - hinzukommen. Je weiter die Betroffenen sich durch ihr falsches Essverhalten von dem ihnen so wichtigen Schönheitsideal entfernen, desto unzufriedener werden sie und essen nur noch mehr und noch ungesünder.

Verdrängte, noch nicht bewältigte Probleme

Aber nicht nur akute, gerade aktuelle Probleme führen häufig zu übermäßiger Nahrungsaufnahme, sondern auch Dinge, die man längst vergessen geglaubt hat. Alte seelische Wunden, verdrängte Erfahrungen und Probleme sind nicht dadurch beseitigt, dass man sie vergessen oder verdrängt hat. Sie bleiben im Unterbewusstsein bestehen und richten weiter psychischen Schaden an, ohne dass die Betroffenen dies selbst wahrnehmen. Da diese unbewussten Probleme nicht bewältigt werden, flüchten sich Körper und Seele in Essorgien. Diese kompensieren die Probleme jedoch nur für sehr kurze Zeit. Auch hier ist die Folge ein Übergewicht, das nur noch schwer reguliert werden kann. Das Essen kann hier zu einer Zwanghandlung werden. Es kann aber auch eine Form von Masochismus sein, weil der Betroffene das Bedürfnis hat, von seiner Umwelt als abstoßend empfunden zu werden und sich dadurch immer mehr Pfunde anisst, weil übergewichtige Menschen in der Gesellschaft oft verachtet werden. Dieses Ziel lässt sich am besten dadurch erreichen, dass man möglichst unansehnlich wird. Neben mangelnder Körperpflege, die die Folge von solch masochistischen Bedürfnissen sein kann, ist das Essen mit das effektivste Mittel zum Erreichen des Ziels. Schließlich entspricht man dadurch im Laufe der Zeit immer weniger der Idealvorstellung unserer Gesellschaft von einem schönen, gepflegten, gesunden Körper.

Essen als Ersatzhandlung

In vielen Fällen ist das Essen auch eine Art Ersatzhandlung für Dinge, die man zwar gerne täte, aus irgendwelchen Gründen aber nicht tun kann. Wer gerne viel Geld hätte und Erfolg bei seinen Mitmenschen, versucht das, was er nicht erreichen kann unbewusst durch andere Handlungen auszugleichen, die er leichter ausführen kann. Essen ist da eine sehr nahe liegende Ersatzhandlung: In unserer heutigen Überflussgesellschaft gibt es nämlich kaum etwas, was so leicht und verhältnismäßig billig zu beschaffen ist wie Nahrung. Dazu kommt, dass die bloße Aufnahme von Nahrung zu den einfachsten Dingen der Welt gehört und keine besonderen Fähigkeiten voraussetzt.

Essen als Sucht

Viele Menschen, die unter großen Problemen leiden, entwickeln die reinste Sucht nach Essbarem. Sie können sich einfach nicht dagegen wehren, dass sie letztendlich doch immer wieder vor dem Kühlschrank stehen oder dass sie beim Einkaufen wieder genau die Sachen kaufen, die sie eigentlich ihrer Gesundheit und ihrer Figur zuliebe meiden wollten. Das Essen kann nicht mehr kontrolliert werden und die Betroffenen können nicht eher von ihrer Sucht geheilt werden, bis sie sie als solche erkennen und versuchen, sich über ihre Ursachen klar zu werden. Erst dann können sie anfangen, diese Sucht zu bekämpfen.

Angst vor dem Alleinsein

Eine andere Personengruppe hat schlicht und einfach Angst vor Einsamkeit und ist nicht in der Lage, sich längere Zeit alleine irgendwo aufzuhalten, noch nicht einmal in der eigenen Wohnung. Sind sie dennoch gezwungen, eine gewisse Zeit alleine zu sein, vielleicht, weil der Partner auf Geschäftsreise ist oder weil er arbeitet und die Kinder in der Schule sind, versuchen sie die so in ihnen nagenden Gefühle der Einsamkeit und des Verlassenseins zu verdrängen, indem sie essen.

Die Folgen sind abzusehen, insbesondere dann, wenn Menschen, die dieses Problem haben, häufig alleine sein müssen und nichts gegen ihr eigentliches Problem tun. Wer nicht lernt, auch einmal alleine sein zu können, wird sein daraus resultierendes Gewichtsproblem kaum in den Griff bekommen, es sein denn, er stellt seine Lebens- und Ernährungsweise um. Oft hilft es den Betroffenen schon, wenn sie sich eine oder mehrere Freizeitbeschäftigungen suchen, die es verhindern, dass sie zu viel alleine sind. Wer selbst aktiv ist und viel Kontakt zu anderen Menschen hat ist, wenn er es richtig anstellt, viel entspannter und lernt es irgendwann vielleicht sogar zu genießen, dass einmal alleine ist und Zeit für sich hat.

2.2. Genetische Ursachen für Übergewicht

Mittlerweile ist die Wissenschaft so weit zu wissen, dass Übergewicht auch vererbt werden kann. Dies soll für Menschen, die aus übergewichtigen Familien stammen, aber nicht heißen, dass sie sich in ihr Schicksal ergeben müssen, weil sie ja angeblich nichts gegen dieses ererbte Übergewicht tun können. Es muss nicht sein, dass Übergewicht in einer Familie erblich bedingt ist, nur weil viele Familienmitglieder dick sind. In den meisten Fällen sind die Verwandten nicht aus genetischen Gründen dick, sondern weil auch sie schon falsch gelebt haben. In diesen Fällen, die wohl den größten Teil ausmachen, ist das Erlernen falscher Verhaltensmuster, das im nächsten Punkt angesprochen wird, die eigentliche Ursache für Übergewicht. 

Von den Eltern erlernte falsche Verhaltensmuster

In vielen Fällen sind auch schon in der Kindheit erlernte Verhaltensmuster für Gewichtsprobleme verantwortlich. Wer in einer Familie aufgewachsen ist, in der kein Sport getrieben wurde, wird nur in seltenen Fällen Gefallen an sportlicher Betätigung finden und sich andere, weniger anstrengende Freizeitbeschäftigungen suchen.

Auch bei der Entscheidung darüber, was gegessen wird, ist es von Bedeutung, was die Familie ihren Kindern vorlebt und anerzieht. Wer von frühester Kindheit an fette Speisen zu essen bekommen hat, wird sich später erst nach einem mühevollen Umdenk- und Umlernprozess satt fühlen, wenn er fettarme Kost gegessen hat. Genauso werden Kinder, die Süßigkeiten gewissermaßen als Hauptnahrungsmittel zu sich nehmen, auch als Erwachsene lieber Schokolade essen als beispielsweise eine sehr viel gesündere und kalorienarme Rohkostplatte. Außerdem ist es bis heute in vielen Familien so, dass die Kinder dazu angehalten werden, ihren Teller auch leer zu machen, selbst dann wenn sie eigentlich schon satt sind. Auf diese Weise wird das natürliche Sättigungsgefühl systematisch übergangen und der Körper stellt sich darauf schon bald ein. Die Folge: Wer seinen Teller immer leer isst, obwohl er eigentlich keinen Hunger mehr hat, genügt zwar veralteten gesellschaftlichen Konventionen, tut aber seiner Gesundheit großen Schaden an, weil er die natürlichen Signale seines Körpers ganz bewusst überhört und sich bzw. sein Kind zum unbeherrschten „Vielesser“ erzieht. Stattdessen sollte man sich lieber immer nur kleine Portionen auf den Teller füllen. Eine zweite Portion kann man sich immer noch nehmen, wenn man nach der ersten wirklich noch hungrig ist.

Dazu kommt, dass heute in vielen Familien beide Elternteile berufstätig sind und es den Kindern dadurch häufig alleine überlassen bleibt, was sie essen. Da man von einem Kind im Allgemeinen nicht verlangen kann, dass es sich aus eigenem Antrieb Kenntnisse im Bezug auf gesunde Ernährung aneignet und sich jeden Tag einen entsprechenden Speiseplan zusammenstellt, ernähren die sogenannten Schlüsselkinder sich häufig von Nahrung aus dem Schnellrestaurant oder von Tiefkühlpizza.

Was gut schmeckt, muss jedoch noch lange nicht gesund sein und so kommt es, dass viele dieser Kinder übergewichtig und mangelernährt sind. Die Eltern, die in diesen Fällen meist selber falsche Ess- und Lebensgewohnheiten haben, schieben ihre eigene Fettleibigkeit und die ihrer Kinder dann nur zu gerne auf die Gene, die dafür verantwortlich sein sollen. In Wahrheit ist der Einfluss der Gene auf das Essverhalten jedoch eher gering zu bewerten im Gegensatz zu dem der falsch erlernten und falsch anerzogenen Gewohnheiten.

2.3. Durch Essstörungen bedingtes Übergewicht

In vielen Fällen sind Essstörungen die Auslöser von Übergewicht und müssen deshalb auch etwas intensiver besprochen werden. Auch wenn nicht alle Essstörungen Übergewicht zur Folge haben sondern oft eher das Gegenteil, sollen auch diese der Vollständigkeit halber berücksichtigt werden:

Magersucht

Wer magersüchtig ist, hat eine panische Angst davor zuzunehmen und glaubt er sei viel zu dick, obwohl ein objektiver Betrachter ihn wohl eher schon als untergewichtig einschätzen würde. Es gibt dabei zwei Gruppen von Menschen, die an Magersucht leiden: Diejenigen, die zur der einen Gruppe gehören, verweigern es strikt, ausreichend Nahrung aufzunehmen und essen nur gerade so viel, dass sie nicht verhungern. Die Mitglieder der anderen Gruppe dagegen essen zwar objektiv gesehen genug, können diese Nahrungsmenge aber aufgrund schwerwiegender psychischer oder physischer Störungen nicht angemessen verarbeiten und magern immer weiter ab. Die Folgen sind oft schwerwiegende gesundheitliche Schäden, in manchen Fällen verläuft diese Krankheit sogar tödlich.

Bulimie

Wer an Bulimie leidet, verspürt einerseits das zwanghafte Bedürfnis zu essen, andererseits fühlt er sich aber extrem schlecht, sobald er gegessen hat. Die Folge ist, dass die Betroffenen das, was sie gegessen haben schon bald wieder erbrechen. An Bulimie erkrankte Menschen führen im extremen Fall ein Leben zwischen Kühlschrank und Badezimmer, weil die Phasen zwischen Heißhunger und Völlegefühl mit anschließendem Erbrechen in immer kürzeren Abständen auftreten und kaum noch Zeit für andere Dinge bleibt. Die Folgen sind in den meisten Fällen ein deutliches Untergewicht und ernährungsbedingte Mangelerscheinungen. Diese Mangelerscheinungen treten zum einen auf, weil die Bulimiker bedingt durch ihren Zwang zu essen ziemlich wahllos sind, was die Auswahl des Speisen angeht, zum anderen bleibt das Essen nicht lange genug im Körper, damit dieser die darin enthaltenen Nährstoffe ausnutzen könnte.

Fettsucht

Mit diesem wenig schmeichelhaften Ausdruck lassen sich zahlreiche zwanghaften Essstörungen zusammenfassen, die die vielfältigsten Ursachen haben können. Gemeinsam ist allen Betroffenen, dass sie unter einem Zwang zu essen leiden und sich so immer mehr Übergewicht anfuttern. Ähnlich wie Alkohol- oder Drogenabhängige sehen die Betroffenen sehr wohl, dass mit ihrem Verhalten etwas nicht stimmt, aber ihnen fehlt die innere Kraft, diesen Zwang zu unterdrücken. Auch wenn sie es versuchen, geben sie ihm doch immer wieder nach und fühlen sich dann nur umso schlechter, wollen sich aber über diese seelische Krise doch letztendlich wieder dadurch hinweghelfen, dass sie essen. Aus eigener Kraft gelingt es den wenigsten Betroffenen, sich aus diesem Teufelskreis zu befreien.

In den Fällen, in denen Übergewicht in erster Linie psychische Ursachen hat, ist es im Allgemeinen mit einer bloßen Änderung der Ess- und Lebensgewohnheiten nicht getan. Es ist hier immer ratsam, diesen Umstellungsprozess in Verbindung mit psychologischer Hilfe durchzuführen, weil diese Störungen nur dann dauerhaft beseitigt werden können, wenn die Ursachen beseitigt werden. Gerade weil hier sowohl eine körperliche, als auch eine seelische Behandlung notwendig ist, ist es sinnvoll, in derartigen Fällen eine Kur in einer speziellen Klinik zu machen. Dort haben die Kranken jederzeit einen Ansprechpartner und können lernen, mit ihren Problemen besser umzugehen. Gerade in den Fällen, in denen diese psychisch bedingten Essstörungen die Ursache für körperliche Probleme sind, müssen die Betroffenen selbst den Willen haben, etwas an ihrem Leben zu ändern, unter äußerem Zwang ist selten ein dauerhafter Erfolg zu erreichen.

2.4. Gesellschaftliche Ursachen für Übergewicht 

Falsche Auffassung des gängigen Schönheitsideals

Eine der vielfältigen gesellschaftlichen Ursachen für Übergewicht ist das im vorhergehenden Kapitel schon erwähnte Schönheitsideal.

Um zu verstehen, dass ein solches Schönheitsideal sich ständig wandelt, ist es nützlich, einen Blick darauf zu werfen, wie es sich im Lauf der Jahrhunderte schon mehrfach verändert hat. Im Groben lässt sich sagen, je weniger die Menschen durch feste Behausungen und Heizmöglichkeiten vor Kälte geschützt waren, desto dicker waren die dem jeweiligen Ideal entsprechenden Menschen.

In der Steinzeit hatten die Menschen noch sehr primitive Behausungen und die einzige Möglichkeit zum Heizen war die Kochstelle. Deshalb war es gerade in kälteren Gebieten und zu kälteren Jahreszeiten lebenswichtig, dass die Menschen isolierende Fettpolster hatten. Dazu kam, dass das Nahrungsangebot gerade im Winter nicht allzu üppig war und die Fettpolster als Vorratslager für schlechtere Zeiten unerlässlich waren. Unter den doch recht primitiven und unwirtlichen Bedingungen hatten zudem nur solche Frauen die Möglichkeit gesunde, überlebensfähige Kinder zu gebären, die entsprechende Kraftreserven hatten. Aus diesem Grund werden in vorzeitlichen Fruchtbarkeitsstatuen im Allgemeinen nur sehr füllige Frauen dargestellt. Sie waren rein biologisch gesehen die idealen Mütter.

Je mehr die menschliche Zivilisation sich weiterentwickelte, desto schlanker waren die Menschen, die als ideal angesehen wurden. Dies hat zum einen damit zu tun, dass die Behausungen der Menschen immer komfortabler wurden, zum anderen aber auch damit, dass die ganzjährige Nahrungsmittelversorgung immer mehr gesichert wurde. Diese Tendenz wird zwar im Zeitalter des Barock unterbrochen, setzt sich aber im Großen und Ganzen bis in die heutige Zeit fort. Wenn in der Zeit nach der Antike gelegentlich füllige Menschen, insbesondere füllige Frauen als ideal galten, so war der Grund hierfür nicht, dass nur solche Leute als überlebensfähig angesehen wurden. Das Übergewicht diente lediglich dazu, dass diejenigen, die es sich leisten konnten, demonstrieren wollten, dass sie mehr als genug zu essen hatten. Übergewicht war also ein offensichtliches Zeichen für Wohlstand. Heute wird der gertenschlanke, sportliche und äußerst gepflegte Menschentyp als Ideal angesehen. Diesem Ideal wollen die meisten Menschen entsprechen. Nur fehlt es den meisten Menschen neben der nötigen biologischen Veranlagung auch am nötigen Wissen und Durchhaltevermögen um dieses Ziel zu erreichen.

Die wenigsten Menschen, die dieses Idealbild anstreben, sehen es als das was es - wie der Name schon sagt - ist: ein Ideal - nicht mehr und nicht weniger. Dieses Ideal ist keine Standardvorgabe für alle Menschen, denen möglichst jeder entsprechen sollte. Vielmehr muss jeder Mensch lernen, sich und seinen Körper zu akzeptieren und nicht einem von anderen vorgegebenen Ideal nachzueifern.

Seinen Körper zu akzeptieren heißt dabei jedoch nicht, dass man alle selbst verschuldeten Mängel - siehe Übergewicht - genauso hinnimmt. Vielmehr sollte man eine kritische Bestandsaufnahme machen, bei der es in erster Linie darauf ankommt, dass man seinen Körper unter gesundheitlichen Gesichtspunkten betrachtet. Übergewicht ist ein gesundheitsgefährdender Faktor und sollte daher beseitigt werden. Ein zu kleiner oder zu großer Busen oder ein kleiner Bauchansatz sind keine gesundheitlich bedenklichen Faktoren und gehören somit zu den Dingen, die man an sich akzeptieren sollte. Abnehmen soll in erster Linie aus gesundheitlichen Gründen erfolgen und nicht der Erreichung eines Schönheitsideals dienen. Viele Menschen machen jedoch den Fehler, diesem Ideal regelrecht hinterher zu hecheln und ruinieren ihre Gesundheit und ihre Figur, indem sie eine sinnlose Diät nach der anderen machen statt ihre Lebens- und Essgewohnheiten umzustellen. So wird das Schönheitsideal auch in gesellschaftlicher Hinsicht zum Mitauslöser von Übergewicht.

Stress im Alltag

Obwohl die Menschen im Durchschnitt vermutlich noch nie so viel Freizeit hatten wie in der heutigen Zeit, ist ihr Leben jedoch in den letzten Jahrzehnten immer stressiger und hektischer geworden. Viele Menschen verkraften diesen Stress nicht und versuchen ihm durch Nahrungsaufnahme zu entgehen.

Dies hört sich auf den ersten Blick nicht allzu logisch an, lässt sich aber mit den in uns noch immer vorhandenen Instinkten erklären: Ein Körper, der unter Stress steht, schüttet vermehrt Hormone aus, sein Herzschlag und sein Blutdruck erhöhen sich. Dies alles hat zur Folge, dass ein höherer Energiebedarf besteht als im Ruhezustand. Dieser höhere Bedarf soll dann durch eine erhöhte Zufuhr von Nährstoffen ausgeglichen werden. Die Konsequenz daraus ist, dass viele Mensch in Stresssituationen anfangen zu essen, was ihnen in die Quere kommt. Die so aufgenommene Energie wird jedoch nicht vollständig benötigt und daher als Fettpolster abgelagert. Übergewicht heißt auch hier die logische Konsequenz.

Bewegungsmangel

Der technische Fortschritt hat neue Berufsbilder mit sich gebracht, die in den meisten Fällen dadurch geprägt waren, dass die Menschen sich bei ihrer Arbeit weitaus weniger bewegen mussten als es in den vorindustriellen, agrarisch geprägten Gesellschaften der Fall war. Gleichzeitig hat sich das Angebot und die Verfügbarkeit von Nahrung fast explosionsartig vergrößert.

Aber nicht nur im Beruf werden die meisten Menschen körperlich weniger beansprucht als früher, ihr ganzer Lebensstil ist bequemer geworden. Selbst kurze Strecken werden in den meisten Fällen nicht mehr zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt, sondern mit dem Auto oder anderen motorisierten Fahrzeugen. Regelmäßige Bewegung zu Fuß beschränkt sich auf gelegentliche Spaziergänge bei angenehmen Temperaturen und schönem Wetter. Das lästige Treppensteigen wird meist durch Rolltreppen oder Aufzüge verhindert. Diese Bequemlichkeit beginnt oft schon im Kindesalter. Statt an der frischen Luft zu toben sitzen viele Kinder stundenlang vor dem Fernseher. Beim Fernsehen werden oft noch Unmengen von Knabbergebäck und Süßigkeiten gegessen, was auch nicht gerade vorteilhaft für Gesundheit und Figur ist.

Die Menschen verbrauchen heute also durch ihr im Vergleich zu früher sehr bequemes und bewegungsarmes Leben weitaus weniger Kalorien als ihre Vorfahren. Gleichzeitig stehen ihnen weitaus mehr und weitaus billigere Nahrungsmittel zur Verfügung. Kurz gesagt: Es werden sehr viel weniger Kalorien verbrannt als tatsächlich aufgenommen werden. Als Folge ist ernährungsbedingtes Übergewicht schon fast zur Regel geworden, während es früher eher die Ausnahme war, weil nur die sehr wohlhabenden Schichten Gelegenheit hatten so viel zu essen.

Unregelmäßiger Tagesablauf und Stress