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Geschichte der Freimaurerei

von
Ferdinand Runkel

Doktor der Philosophie und Magister
der freien Künste

Zweiter Band

Impressum

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Zweiter Band | Inhalt

Erstes Buch: Geheim-Orden und Geheim-Bünde

I.

Die Gold- und Rosenkreuzer

II.

Die Illuminaten

III.

Die afrikanischen Bauherren

IV.

Die asiatischen Brüder

Zweites Buch: Die Große Landesloge der Freimaurer
von Deutschland

I.

Johann Wilhelm von Zinnendorf

II.

Im Kampf um die Großloge

III.

Die Ordenslehre

IV.

Die Verfassung

V.

Lessing und die Freimaurerei

VI.

Der Kampf mit anderen Mitteln

VII.

Treu bis zum Tode

Excurs: Freimaurer-Verfolgung zu Aachen

Drittes Buch: Die Große Loge von Preußen genannt Royal York zur Freundschaft

I.

Die Loge Royale York de l’Amitié

II.

Ignaz Aurelius Feßler

III.

Die Stiftung der Großloge und ihre Folgen

IV.

Fichte und Feßler

Viertes Buch: Neue Großlogengründungen. Lösung von der englischen Oberhoheit

I.

Die Entwicklung in Hamburg

II.

Friedrich Ludwig Schröder

III.

Die deutsche Not

IV.

Der eklektische Bund

 

Excurs: Die schottische Maurerei

V.

Die Großloge zur Sonne in Bayreuth

Vorwort

Der erste Band dieses Werkes hat eine außerordentlich günstige Aufnahme gefunden. Aus den Kreisen der Freimaurerei Deutschlands und des Auslands sind mir sehr schmeichelhafte und begeisterte Anerkennungen zugegangen, wobei die Einhelligkeit der verschiedenen Lehrarten mir den untrüglichen Beweis dafür liefert, daß ich auf dem rechten Wege sei: nämlich in unbedingter Treue zum eigenen Orden den andern Lehrarten mit derjenigen Hochachtung zu begegnen, die ihre geschichtliche Überlieferung und die geistige Bedeutung ihrer großen Meister verdienen. In der Freimaurerei Deutschlands hat man diesem meinem Streben weitestgehendes Verständnis entgegengebracht. Dabei darf ich jedoch nicht verschweigen, daß bei aller Wertschätzung meines Werkes von humanitärer Seite, wenn auch nur ganz leise und freundschaftlich der Gedanke ausgedrückt wurde, ich hätte den Trennungsstrich zwischen der christlichen und der humanitären Freimaurerei zu scharf gezogen. Ich habe den Trennungsstrich gezogen, das ist richtig, habe ihn ziehen müssen, wenn ich mir nicht den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit zuziehen wollte. Aber Tatsache ist, daß andere Schriftsteller vor mir wie Schröder, Findel, Fischer, Neumann und viele andere den Trennungsstrich schärfer und leidenschaftlicher gezogen haben als ich. Da so etwas leicht vergessen zu werden scheint, ist es gut, daran zu erinnern.

Für die Freimaurerei in Deutschland ist es von großer Wichtigkeit, sich mit diesem Problem einmal ganz ehrlich auseinanderzusetzen, damit auch nicht der geringste Zweifel bleibt. Es gilt, Strömungen die Quelle zu verschütten, in denen Geister herumplätschern, die da glauben, das Wesen der Freimaurerei liege in der möglichst scharfen Polemik, womit man Diskussionen über die Lehrarten führe. Es ist eines jeden Freimaurers gutes Recht, seine eigene Lehrart für die beste aller möglichen Lehrarten zu halten, es ist aber ganz unfreimaurerisch, eine Lehrart, die einem andern wertvoll erscheint, herabzusetzen und zu schmähen. Dazu werde ich nie meine Hand bieten, denn ich könnte die Verantwortung für eine solche Einseitigkeit vor dem Richterstuhl der Wissenschaft nicht übernehmen.

Das ideale Ziel der Freimaurerei, wie es sich während fast zweier Jahrhunderte herausgebildet hat, ist die religiös-sittliche Veredelung des Menschen. Da schon das Erleben des Christentums in jeder der großen Bekenntniskirchen verschieden ist, um wieviel mehr muß das Erleben des religiös-sittlichen Ideals eines Nichtchristen, eines Juden, eines Moslem, eines Parsen oder Buddhisten untereinander und vom Christen verschieden sein. Es ist nun eine unverrückbare Tatsache der Geschichte, daß die Freimaurerei in ihren Anfängen eine christliche Erscheinung war. Das ist keine einseitige Auffassung, sondern das ist das Zeugnis der Quellen, die ich im ersten Bande klar aufgezeigt habe. Wenn England aus Gründen seiner Kolonialpolitik nachmals Nichtchristen zu Freimaurern auf- und angenommen hat, so ist es von der alten Grundlinie abgewichen. Holland, gleichfalls ein Kolonialreich, folgte ihm bald darin nach. Aber die Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts lehrt, daß schon der bloße Besuch von jüdischen Brüdern, die in England oder Holland aufgenommen worden waren, in deutschen Logen auf ernsten Widerstand stieß und die Brüderschaften in zwei Lager schied.

Also die Geschichte, nicht ich, der Geschichtsschreiber, habe den Trennungsstrich gezogen. Dies geschichtlich Gewordene zu verschweigen, wäre eine nicht zu verzeihende Unehrlichkeit, dazu ganz unwissenschaftlich gewesen. Ebenso unverzeihlich wäre es, einen andersdenkenden Freimaurer darum gering zu achten, weil er sein religiös-sittliches Ideal auf einem ihm gut scheinenden Weg sucht.

Alle Freimaurer sind Suchende, und nur Suchende können die Erlösung finden in dem großen heiligen Mysterium, das wir nur ahnen und erst in der Unendlichkeit zu finden hoffen. Wer glaubt, im Endlichen ein Vollendeter zu sein, der ist eine starre Masse, die kein Ideal mehr hat und zum geistigen Tod verurteilt ist. Selbstgerechtigkeit ist Ungerechtigkeit. Die Überzeugung ist des Mannes Ehre, darum sollen gerade Freimaurer jede Überzeugung in Ehren halten. Da jede Lehrart ihren Anhängern innere Befriedigung gewährt, so wird ein abfälliges Urteil nur Verstimmung hervorrufen, aber die Sache nicht fördern. Der Wahlspruch des Ordens vom schwarzen Adler, das „Suum cuique“, sollte über der Pforte eines jeden freimaurerischen Tempels stehen. Die Freimaurerei unserer Zeit hat eine hohe Aufgabe: Den Kampf gegen die Gottlosenbewegung.

Diese Bewegung untergräbt die Grundlagen unseres bürgerlichen Lebens, zerstört die Familie, verneint jede ethische Kultur und vernichtet mit dem religiösen Verantwortungsgefühl jede Humanität. In diesem Kampf muß die Freimaurerei den Schild erheben, wenn sie nicht ihre Daseinsberechtigung verlieren will. Unsere Nachkommen werden mit Recht fragen, ob wir unserer geschichtlichen Pflicht genügt haben und für das deutsche Ideal mit Bekennermut in die Schranken getreten sind. Wehe der Freimaurerei, wenn sie ihre historische Stunde versäumt. Die Gottlosenbewegung geht alle diejenigen an, denen die heilige Schrift auf dem Altar Grundlinie und Leitstern ihres Lebens ist.

Herzlichen Dank habe ich auszusprechen allen den Meistern, die durch ihr nachsichtiges Urteil über den ersten Band meine Schaffensfreude kräftig gefördert haben, und auch denen, die mir freudig Hilfe geleistet bei der Gestaltung dieses zweiten Bandes, der mich vor die schwerste Aufgabe des ganzen Werkes stellte. Es galt hier aus dem Gestrüpp von Tagesmeinungen, persönlichen Verärgerungen und kleinlichen Bosheiten, wie sie die zeitgenössischen Quellen zum Teil enthielten, die Bilder der führenden Männer klar und gerecht herauszuarbeiten. Ob es mir gelungen ist, mag die Wissenschaft entscheiden. Jedenfalls bin ich für jede Belehrung dankbar. Diesen schweren Problemen gegenüber hat mich ein Wort meines hochverehrten Lehrers, Theodor Mommsen, stets geleitet: „Mit Entsagung ist dies Buch geschrieben und mit Entsagung möchte es gelesen sein.“

In erster Linie gilt aufrichtiger Dank meinen Ordensbrüdern, Geheimrat Balthasar-Wolfradt, Oberstleutnant v. Heeringen und Major Felix Witt Hoë, dann den Großmeistern der beiden altpreußischen Großlogen Bruder Karl Habicht, Th. D., und Bruder Oskar Feistkorn, die mir bereitwillig die Archive öffneten und den reichen Schatz ihrer Gemälde zur Verfügung stellten. Ebenso haben die Großmeister der andern in Deutschland arbeitenden Großlogen mich lebhaft unterstützt. Vor allem hat der Großmeister der Großen Loge von Hamburg, Bruder Richard Bröse, nicht nur die Benutzung der bedeutenden Archive der Großloge und des Engbundes in liberalster Weise gestattet, sondern auch durch wertvolle Winke und Anregungen ist er dem Werke von Nutzen gewesen; die wahrhaft freundschaftliche Aufnahme durch die Hamburger Brüder werde ich in dankbarer Erinnerung behalten. Bruder Ludwig Keil aus Bayreuth hat mir seine wichtigen Forschungen zur Geschichte der Bundes- und Großloge zur Sonne im Manuskript zur Verfügung gestellt, und ich habe sie dankbar benutzt; dem Bruder Wilhelm Fluhrer in Frankfurt am Main gebührt gleichfalls mein herzlicher Dank für seine freundschaftliche Beratung und Unterstützung bei Beschaffung von Bildern aus dem Besitz seiner Großloge.

Zum Schluß muß ich noch zweier alten Freunde gedenken, des Großarchivars der Großen National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln, Bruder Stephan Kekulev. Stradonitz, der mir auch bei diesem Bande mit seinem guten Rate und seinem großen Wissen treulich zur Seite gestanden hat, sowie meines Ordensbruders, des Generaloberarztes Dr. Johannes Bluhm in Erfurt, der sich der großen Mühe unterzog, eine letzte Korrektur zu lesen. Eine solche verantwortungsreiche, undankbare Arbeit übernimmt nur ein treuer und selbstloser Freund. Ein ehrlicher Händedruck diesen beiden Feunden.

Lichterfelde, am Andreasfest 1931.

Ferdinand Runkel.

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Erstes Buch

Geheim-Orden und Geheim-Bünde

I. Die Gold- und Rosenkreuzer

Die Freimaurerei des achtzehnten Jahrhunderts hat nach drei Richtungen den Geist der Menschen in Bewegung gesetzt: einmal hat sie restlose Begeisterung ausgelöst und wertvolle Menschen für ihr ganzes Leben gefesselt. Diese sahen das Ideal der Bewegung in seiner edlen Reinheit und übersahen, daß menschliche Schwächen allenthalben das Strahlende mit dem Staub des Alltags schwärzten. Menschen konnten irren und fehlen, Betrüger konnten sich eindrängen, um persönliche Vorteile zu gewinnen, aber der Gedanke war unerschütterlich gut und in seinem letzten Ausdruck die unbedingte Nachfolge Christi, die Liebe zu dem Nächsten, Treue und Fleiß in der Berufstätigkeit. Die zweite Gruppe waren die unversöhnlichen Gegner, die alles verwarfen und verfolgten, was mit freimaurerischen Formen in die Erscheinung trat. Diese wandten sich vor allem gegen das Geheimnis mit der nie ganz zum Schweigen gekommenen Redensart, daß das wahrhaft Gute und Edle des Geheimnisses nicht bedürfe, es könne und müsse seine Gaben jedem empfänglichen Menschen offen zuteilen. Wenn aber die Freimaurerei sich in geheime Tempel einschließe, so werde sie wohl etwas zu verbergen haben, was das Licht und das öffentliche Urteil scheuen müsse. Die dritte Gruppe waren Menschen, die in den freimaurerischen Organisationen Stützpunkte erblickten, von denen aus sie ihre Sonderinteressen verfolgen zu können glaubten. Sie ließen sich in eine Loge aufnehmen und suchten von innen heraus das System zu unterhöhlen, indem sie behaupteten, daß alles, was dort gearbeitet würde, unrichtig, daß sie allein die Besitzer des wahren Geheimnisses seien. Dieser Art gehörten die Gold- und Rosenkreuzer an. Es waren nicht immer und lauter Betrüger, wie St. Germain, Leucht, Cagliostro, Schrepfer und vielleicht Gugomos, es waren oft ehrlich Suchende, die fest glaubten, das bessere Teil der Freimaurerei zu besitzen. Männer wie die viel angefeindeten Wöllner und Bischoffwerder haben sicher das Beste gewollt, und sie hatten wohl auch das richtige Gefühl, in welcher Linie die Wahrheit zu suchen sei, aber sie waren befangen im Geiste ihrer Epoche, ganz Kinder ihrer Zeit.

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Johann Rudolf v. Bischoffwerder

Auch der Orden der Gold- und Rosenkreuzer darf nur aus diesem Gesichtspunkt heraus beurteilt werden. Zunächst muß man mit dem völlig unbegründeten Schematismus brechen, der den Orden in alte, mittlere und neuere Rosenkreuzer teilt. Die Fraternitas Roseae Crucis, die Brüderschaft vom Rosenkreuz, ist seit dem siebenzehnten Jahrhundert seit Johann Valentin Andreae nie erloschen. Sie hat in kleinen Gemeinschaften, vornehmlich in Süddeutschland, von wo aus auch die neue Belebung im achtzehnten Jahrhundert ausging, im stillen fortbestanden, und ihr Ziel, die Reformation des menschlichen Geistes- und Gefühlslebens, zu keiner Zeit aus den Augen verloren. In der Richtung der Magie, Kabbâla, Pansophie, Theosophie und Alchymie bewegte sich stets das Suchen der Rosenkreuzer. Wir haben gesehen, daß der florentinische Kreis um Lorenz Natter entschieden eine rosenkreuzerische Vereinigung war; das ging aus den Schriften hervor, die Johann August Starck von diesem nach Petersburg übergesiedelten Kreis empfing. Sowohl die Tabula Chaeremonis, wie der Character magico-cabbalistico-sophicus, wie auch die Schriften des Frederico Gualdo und des als Hermann Fictuld auftretenden Schriftstellers waren rosenkreuzerisch. Auch die klerikalische Bewegung trug faktisch alle Zeichen des Rosenkreuzertums an sich. Was Starck mit der strikten Observanz wollte, die geistige Leitung in die Hand bekommen, das hat Wöllner von der Schottischen Loge „Friedrich zum goldenen Löwen“ aus bei der Mutterloge zu den Drei Weltkugeln erreicht.

Der Glaube an die Wahrheit der alchymischen Lehre von der Verwandlung der Metalle und der Darstellung einer Universal-Medizin, des Lebens-Elixiers, war in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts schon sehr stark geschwunden. Die Rosenkreuzer-Bewegung brachte durch die Vergeistigung der Alchymie einen neuen Auftrieb, indem sie nicht mehr von einer hermetischen (alchymischen) Kunst, sondern einer Philosophie, einer Symbolik, einer Lebenslehre sprach. Der Pansophische Gedanke, daß die Natur ein Ausfluß der Schöpferkraft Gottes und somit selbst ein Stück Gottheit sei, mußte zu der Überlegung führen, daß die Erkenntnis der Natur die Erkenntnis Gottes in sich schließe. Und so gehen fast alle rosenkreuzerischen Schriften von dem Grundgedanken aus, die Erforschung der Natur und des Schöpfungsweges sei Gottesdienst. Man nannte das die Lehre vom Chaos.

Die Erneuung des Ordens im achtzehnten Jahrhundert ging etwa um die Mitte des fünften Jahrzehnts von Süddeutschland aus und knüpfte sich im wesentlichen an den Namen eines Doktors der Medizin Bernhard Joseph Schleiß von Löwenfeld aus Sulzbach, der im Orden den Namen Phöbron führte und auch mit einer Verteidigungsschrift gegen den „Rosenkreuzer in seiner Blöße“ auftrat. Beide Schriften, auf die wir noch zurückkommen, sind wichtige Quellen, aus denen der Geist und die Organisation des Ordens zu beurteilen sind.

Das offizielle Werk, eine Art von Gesetz- und Instruktionsbuch, führt den Titel: „Bon obristbrüderlicher Wahl, Macht und Gewalt bestätigter Eingang zur ersten Classe des preißwürdigsten Ordens vom Goldenen Rosen Creutze nach der letzten Haupt- und Reformations-Convention errichtet zum guten Gebrauch aller würdigen Brüder, so andere Meister vom Schein des Lichts und dem verlohrnen Worte an- und aufzunehmen berechtigt sind. Cum Concordia, Fratrum erlassen im Jahr des Herrn 1777.“

Nach dieser Schrift beginnt der Orden mit Adam, der noch aus dem persönlichen Verkehr mit Gott die sicherste Erkenntnis Gottes und die höchste Weisheit besessen und seinen Kindern mitgeteilt habe. Diese habe sich dann vererbt, und die Urväter und weisen Meister hätten sich vom profanen Haufen abgesondert und den Orden der höchsten Verschwiegenheit gestiftet. „Damit aber die Obern ihre wahren Absichten besser verbergen und die Wißbegierde der Menschen leichter erfahren möchten, so haben sie die drei untersten Klassen der sogenannten Freimaurerei als eine Pflanzschule der höheren Wissenschaften, unter gewissen parabolischen Auszierungen und Ausfüllungen errichtet; und obgleich solche durch die Länge der Zeit mit vielen eiteln und unnützen Nebendingen ganz profaniert und fast unkennbar gemacht worden, so müssen doch in der Zeit vom brüderlichen Rechtswegen die tauglichsten Subjecta aus ihrem Mittel geholt werden und kann kein anderer als ein Meister vom Schein des Lichts in unsern Zirkel treten oder den Grad vom Juniorat des Rosenkreuzes erlangen.“

Damit soll also gesagt sein, daß die Freimaurer der drei ersten Grade nur einen Schein des Lichtes hätten, das Licht selbst aber erst im Rosenkreuzer- Orden und seinen Graden erhalten könnten. Über die Anmeldung war das folgende bestimmt:

„Der Kandidat muß also ein wirklicher Meister vom Schein des Lichts und dem verlorenen Worte sein, auch die besonderen Kennzeichen der Tauglichkeit haben; nämlich die Ehrbarkeit, den guten Verstand, die Friedfertigkeit nebst der Wißbegierde und dem Gehorsam. Wenn dann der Kandidat also erfunden worden ist, so kann ihm ein Handgelübde, daß er, was man ihm anvertrauen wird, verschweigen wolle, abgenommen, alsdann die ordentliche Proposition gemacht und dabei gesagt werden: daß er sich keine falschen Vorstellungen machen und etwa gleich, groß und reich zu werden, einbilden, sondern vielmehr glauben und wissen solle, daß man erstlich nach Art der Verbrüderung auf dem unfehlbaren Weg der Tugend zu wandeln erlernen, starke Prüfungen aushalten, und auch die Ordenslehre durch eigenen Fleiß in die praktische Erfahrung bringen müsse. Ist der Kandidat noch willens einzutreten, so wird dem Ordens Directori und von diesem dem Generalat nebst der Anzeige zugleich des Kandidaten Stand und Name eingeschickt, damit solcher kabbalisiert und ein Wappen geschöpft werden könne. So soll auch von nun an außer in einem besonderen Notfall als zum Beispiel, wenn ein Kandidat oder ein zu recipieren Gewalt habender Bruder auf Reisen oder in solchen Geschäften und Umständen wäre, daß er sich nicht aufhalten könnte, keiner mehr bevor sein Stand und Name eingeschickt und der neugeschöpfte Name samt dem Wappen wieder erfolgt ist, wirklich an- und aufgenommen werden.“

Das heißt also, daß außerordentlich fein gesiebt wird, bevor ein Fremder, der aber Freimaurer sein muß, zu dem Orden zugelassen werden kann. Vor allem erhält er einen neuen Namen, mit dem er stets zu unterzeichnen hat, wie er auch von keinem anderen, der nicht zu seinem eigenen Kreis oder Zirkel unter der Leitung des Zirkeldirektors tätig ist, irgendeine andere Kenntnis als den Ordensnamen hat. Wenn er dann aufgenommen ist, erhält er als eine der ersten Instruktionen die Lehre von den vier Elementen. Da wird ihm denn gesagt: Das Feuer sei das erste und mächtigste Element und alle übrigen seien daraus entstanden. Denn gleich wie kein Feuer ohne Luft und keine Luft ohne Wasser sei, also sei auch kein Wasser ohne Erde. Wie das eine Element aus dem andern hervorgeht, wird in den Versammlungen gelehrt, und zwar durch praktische Arbeit. Diese praktische Arbeit ist rein alchymisch.

Über den Endzweck des Ordens wird folgendes gelehrt: Der durch den kläglichen Sündenfall von seiner ersten Würde tief gesunkene Mensch soll wieder emporgehoben werden, das durch die Sünde verunstaltete Ebenbild Gottes soll wiederhergestellt und die durch Jesum Christum teuer erkauften Seelen sollen vor dem Satan gerettet werden. Das lichtvolle Reich des Erlösers Jesu soll unter den Menschen richtig erbaut und dem Erzhirten Jesus eine Gemeinde gesammelt werden. „Die Vorsteher dieser Gemeinde sowohl als alle wichtigen, echt geprüften und bewährt erfundenen Brüder durch die Salbung des Heiligen Geistes mit herrlichen Gaben auszurüsten, und sie geschickt zu machen als Heerführer der Gerechtigkeit, ihren hohen Beruf und die Befehle des höchsten Bruder Meisters desto vollkommener auszurichten, und zu diesem Endzweck durch die ihm dem hohen Orden von Gott verliehene Macht und tiefe Einsicht in die Natur, die verborgenen Kräfte derselben wirksam zu machen, das unter den Schlacken des Fluchs tief eingekerkerte, inwärts gekehrte Licht der Natur zu entfesseln und herauszukehren, und dadurch einem jeden würdigen Bruder eine Fackel anzuzünden, bei deren hellem Schein er den unsichtbaren Gott, die Majestät des Allvaters, näher erkennen, voll heiligen Erstaunens in tiefster Dankbarkeit ehrfurchtsvoll anbeten und also mit dem Urquell des Lichts näher vereinigt in der holdseligen Gemeinschaft des göttlichen Erlösers und der heiligen Engel, zeitlich und ewig wahrhaft glücklich und selig werden möge: Das ist der Endzweck des hohen Ordens.“

„Der hohe Orden, der die Sache Christi mit Macht und Eifer betreibt, weil sie seine eigene ist, hat die große Not des Menschengeschlechts sehr am Herzen. Unsere weisen Meister sind die durchgeprüften und bewährt erfundenen Kinder des Ordens. Sie haben den Schlüssel zu den Schätzen der Natur. Voll herzlicher Bruderliebe wollen sie nach erprobter Wirklichkeit diesen geheimen Schlüssel überliefern. Nun ist es an den Brüdern, ihre Hände geschickt zu machen, diesen Schlüssel zu gebrauchen. Hierzu dient die Chemie. Es ist freilich nicht die gemeine Chemie, sondern die Chemie des Ordens, die gegenüber dieser ein Riese ist. Was der Chemie des Ordens möglich ist, bleibt der gemeinen Chemie ewig unmöglich. Nimmer wird diese die Körper soweit ausschließen, verfeinern, veredeln, daß sie wiedergeboren und verherrlicht werden, ob sie gleich einen Teil der äußeren Schlacke wegnehmen und den Schein des inneren Lichts hervorbringen kann, niemals aber das innere Licht selbst.“

Der Eid, der geleistet werden mußte, umfaßte sieben Punkte oder Pflichten. Die erste war: sich in der Furcht Gottes beständig zu üben. Die zweite: die Liebe des Nächsten vorsätzlich nie zu betrüben. Die dritte: höchste Verschwiegenheit. Die vierte: unverbrüchliche lebenslängliche Treue dem Orden zu halten. Die fünfte: Gehorsam gegen die Oberen. Die sechste Pflicht gebot, der hocherlauchten Verbrüderung kein in ihr Fach einschlagendes Geheimnis zu verschweigen. Die siebente Pflicht gebot, dem Schöpfer seiner Weisheit und dem Orden zu eigen zu leben. Dazu sagen die obersten Brüder:

„Der Begriff des Eigentums erklärt uns diese Pflicht auf die wichtigste und kürzeste Weise; denn sind wir ein Eigentum des Schöpfers, seiner Weisheit und unsers heiligen hohen Ordens,

so müssen wir keinen Eigenwillen haben, sondern alle unsere Verhältnisse und Veränderungen müssen wir freudig den Anordnungen unsers Eigentums-Herrn unterwerfen. Als ein Eigentum unsers Schöpfers und seiner Weisheit sind wir aber auch zugleich ein rechtmäßig erworbenes Eigentum des heiligen Ordens, weil wir uns freiwillig ihm zu unserer Glückseligkeit übergeben haben, und der hohe Orden in allem, was er mit uns vornimmt, niemals anders, als dem heiligsten Willen des Schöpfers, unseres natürlichen Eigentums-Herrn, gemäß handelt, und gleichsam nur bloß seine Befehle an uns vollzieht. Wir können also vollkommen versichert sein, daß unsere höchsten Ordens-Obern nie etwas anderes in Absicht der Mitglieder des Ordens tun, als was Gott selbst unmittelbar tun würde, wenn er unmittelbar handeln wollte. Ist dem also:

so müssen wir mit uns im Orden nach Gutbefinden schalten und walten lassen; dieser Satz folgt aus dem ersteren. Alles, was uns also als Ordensbruder anbefohlen wird, muß ohne Weigerung pünktlich befolgt werden. Welche Ruhe und Zuversicht für uns, wenn wegen unserer Unvollkommenheiten oder Mängel manche Ordens-Befehle bitter sind, und dem alten Menschen nicht schmecken wollen! Welche Ruhe und Zuversicht für uns, daß Gottes Weisheit selbst diese Anordnungen durch die hohen Ordens-Obern über und mit uns macht, daß uns also kein Unrecht geschieht, noch geschehen kann, weil diese heiligen Männer sich genau nach dem ihnen bekannten Willen Gottes unseres Schöpfers richten.

So müssen wir dies unser unaussprechlich großes Glück demutsvoll erkennen, daß wir, wir, vor so vielen Millionen Menschen gewürdigt worden sind, in dieser nähern und genauen Verbindung mit dem Schöpfer und seiner Weisheit und einem Orden zu stehen, der wegen seiner Hoheit und wesentlichen inneren Größe ein so starker Beweis der Erbarmung Gottes über das Menschen-Geschlecht ist, indem er den Himmel an die Erde ankettet, und den versperrten Weg zum Paradiese wiederum öffnet, dessen höchste Vorsteher im allergenauesten Verstande Freunde Gottes sind, wahre Jünger und Lieblinge unsers hochgelobten Erlösers Jesu Christi, weit über den Rest der Sterblichen erhaben, Meister über die ganze Natur, die mit der einen Hand auf das siegreiche Kreuz der Versöhnung gelehnt, mit der andern die lange Ordenskette festhalten, welche – O! Brüder! jauchzet doch mit uns! bis zu uns herabreicht, und an welcher auch wir, auch wir Glieder sind! Hallelujah! Hallelujah! Hallelujah! Lobet, Ihr Knechte Gottes! Ihr Rosenkreuzer alle lobt den Herrn! danket, lobsinget seinem heiligsten Namen! denn er hat ein Großes an uns getan, des sind wir fröhlich! Amen!“

Der Orden umfaßte sieben Grade. Der erste Grad waren die Junioren (Juniores)

„Diese sind Anfänger, welche den ersten Teil des Instituts, die Ordensregeln, das Ceremonial, den Catechismus und die chymischen Zeichen recht zu erlernen sich angelegen sein lassen müssen.“

II. Theoretiker (Theoretici)

„Diese haben des Kollegiums Bücher sammt dem theoretischen Teil des Instituts zu studieren, um hierdurch zu den hermetischen Wissenschaften den nötigen Grund zu legen.“

III. Praktiker (Practici)

„Diese können und müssen zwar das chaotische Electrum minerale bereiten, aber dessen wahre Bestimmung muß ihnen bis zu einem weit höheren Grade verborgen bleiben, sie sollen auch alle aus ihrer Praxis den ersten Nutzen zu schöpfen verstehen.“

IV. Philosophen (Philosophi)

„Von diesen sind auch einige, so die mineralischen Naturkräfte erkennen, und nebst ihrer Projectionsfähigkeit auf Weiß wo nicht auf Rot die Wissenschaft mit der Tat vereinigt haben.“

V. Die Geringeren (Minores)

„Die meisten hiervon sollen die irdische philosophische Sonne vollkommen erkennen und nebst ihrer Projectionsfähigkeit auch Wunderkuren verrichten.“

VI. Die Höheren (Majores)

„Einige haben einen oder mehrere von den vier großen Partikeln Stein verfertigt und tingieren auf weiß und rot.“

VII. Die Auserwählten Adepten (Adepti exempti)

„Einige haben zwar auch schon Kenntnis vom großen Werke der Natur, (Cabbala und Magia Naturali, sind aber noch zu einer weit anderen Beschäftigung bestimmt und bisher noch nicht alle projectionsmäßig gefunden worden.“

VIII. Die Meister (Magistri)

„Diese besitzen sammt den drei Hauptwissenschaften von den Naturreichen das große Universal und wovon wenigstens siebenundzwanzig das Wort vollendet und den Stein der Weisen haben müssen, sind auch Juniores Magiae.“

IX. Die Magier (Magi)

„Diesen Brüdern ist außer den göttlichen Kräften und Geheimnissen in der Natur nichts verborgen und sind vermöge dieser Kenntnisse, wie Moses, Aaron, Hermes, Salomo, und Hiram Abif Meister über alles.“ Für die ganze Brüderschaft galten die folgenden Gesetze:

1.

„Muß, soll, kann und will glauben ein jeder Bruder das große All und Wesen, welches unanfänglich, unendlich, unermeßlich, allmächtig, allweise, allwissend, allgegenwärtig, durch Alles, in Allem, bei Allem, vor Allem, welches gerecht, heilig, wahrhaftig, liebreich, barmherzig, gütig und selig ist, welches in allen seinen Geschöpfen wirkt, sich verherrlicht und verklärt. In den Oberen-Ungefallenen in Friede, Freude, Wonne, Seligkeit und Herrlichkeit; in den Unteren-Gefallenen aber in Berufung, Strafung, Besserung, Reinigung, Läuterung und gänzlicher Wiederherstellung,

2.

Jesum von Nazareth, daß er sei der eingeborene Sohn Gottes, durch des Geistes Hauch in der hochgelebten und reinsten Jungfrau Maria gezeugt und von ihr geboren, und von Gott, der ein unsichtbarer Geist ist und von keinem Geschöpf gesehen werden kann. Er aber alles im Lichte sieht, weiß, erkennt, zum sichtbaren Herren, König, Gott und Erlöser über alle Geschöpfe im Himmel und auf Erden gesetzt worden, daß er durch sichtbare Anstalten des wunderlichen Kreuzes der Auferstehung, Himmelfahrt, Wiederkunft und Scheidung der Guten und Bösen und dieser Verneuerung und Wiederbringung aller irrgegangenen und abgefallenen Geschöpfe, keines ausgenommen, auch nicht ein Geistchen, es stak, wo es wolle, nach und nach sammle, zurecht bringe und dem unsichtbaren Gott in seine Arme, der Ruhe Freude, und des ewigen Vergnügens wieder liefere, und dafür eine ewige sichtbare Hoheit, Herrlichkeit und Verehrung in allen geschaffenen Welten habe.

3.

Den heiligen Geist als einen hauchenden Ausfluß aus der unendlichen Gottheit, wodurch alles geschaffen, gemacht und hervorgebracht worden, auch alles wesentlich erhalten, erleuchtet, regiert, beherrscht, verneuert und wiedergebracht wird.

4.

Gott in der Einheit und Dreiheit von ganzem Herzen, von ganzer Seele, vor ganzem Gemüt, und aus allen Kräften lieben, fürchten, ehren und anbeten.

5.

Seinen Nächsten lieben als sich selbst und kraft dieses ihm nichts zum Schaden seines Lebens, noch Nahrung, noch Ehre tun.

6.

Ein Christ sein und so leben und sterben: und als ein Christ Gott dienen, nach welcher Art es sei, nach einem innerlichen und äußerlichen Gottesdienst, doch nach einem innerlichen des Geistes und der Wahrheit mehr, als nach dem Äußern.

7.

Sich aller Sanftmut in widrigen Begebenheiten oder Begegnungen, aller Demut gegen jedermann und bei allen glücklichen Bedingungen, aller Geduld in Unglücksfällen und Kreuzes Proben, auch aller Treue, Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Wahrheit befleißigen, und dagegen den Zorn, Hochmut, der Lieblosigkeit, Unfreundlichkeit, Ungerechtigkeit und den Lügen feind sein.

8.

Keusch, züchtig, mäßig, sittlich und von wohlgeziemenden holdseligen und lieblich gewürzten Worten sein; hingegen alle Wollust und Üppigkeit in übermäßigem Essen, Trinken und Kleiden vermeiden; auch alles fluchen, schwören, alle Zoten und unnütze schändliche Reden aus Herzen und Mund ausrotten. Insonderheit

9.

Gleichwie unser hohes Geheimnis, das Mond- und Sonnen-Geschöpf gereinigt wird, auch sterben, faulen, verwesen und wieder ausstehen muß und hernach mit dem kräftigen himmlischen Wasser, als dem Balsam des Lebens, begossen und dadurch zu einem herrlichen Mond- und Sonnen-Leib verklärt wird, ebenso sich täglich reinigen, auch täglich sterben, faulen, verwesen und im Licht und in einem neuen Leben auferstehen, sich durch den Geist Gottes täglich beleben, bewirken, lehren und regieren lassen, und so dann endlich zu einem hellglänzenden Geiste, der aller Heimlichkeiten der Natur fähig ist, und als ein Sonnen-Engel mit unaussprechlicher Herzensvergnügung, auf dem Ball der Erde, wallen und leben kann, wirklich werden, anders er auch keinen Segen, noch Glück in unserem Sonnenstern und Land haben wird.

10.

Täglich bei dem unendlichen großen Geiste bitten und stehen, mündlich und im Herzen, knieend und stehend, liegend und sitzend, doch alles im Verborgenen, damit er dieses neuen Lebens in des Geistes Auferstehung, und auch der hellglänzenden Auferstehung des Mondes und der Sonnen teilhaftig werden möge.

11.

Bei Anfang dieses unseres großen Werks zuvörderst alle seine begangenen Sünden erkennen und lernen und Gott auf den Namen Jesu um Vergebung der Sünden bitten, auch sich ins Künftige von allen Mißhandlungen, Gewalttätigkeiten und Vervorteilungen an seinem Nächsten, absonderlich auch von Blutgerichten enthalten. Sollte also ein Kaiser, König, Herzog, Fürst, Graf, Edelmann, ein Papst, Bischof, Prälat, Abt, die Blut-Gerichte haben, oder sonsten ein Richter, der mit Blutgerichten zu tun, wolle in die Brüderschaft aufgenommen werden, und die Vorsehung der großen Augen gönnt ihm dieses größte und vergnügteste Glück unter der Sonne, welches auch in alten Zeiten Könige und Große, auch Priester und hohe Priester gehabt, die Gott ergeben gewesen, und mehr lebendig gemacht als getötet haben; so muß

12.

Er von Stund an sich der Blutgerichte entschlagen, und die Übeltäter und die Strafbaren mit an dem Leben schonenden, aber den Leib zwingenden, einschließende mit Arbeit belegende und zum Leben und Heil des unsterblichen Geistes abzielende Strafe begnadigen, und dadurch den Geist zu bessern und nicht zu verderben suchen, und solches alles in einem göttlich gearteten mitleidigen Herzen, das von Barmherzigkeit überläuft, nach der Gleichheit dem Gemüt und Gesetz des Königs der Herrlichkeit. Anders hat die Bruderschaft Beispiele, daß denen, die mit Blutgerichten umgegangen, und ob sie wohl gerecht waren nach dem Gesetz des Aug um Auge, Zahn um Zahn, alles unter den Händen mißraten und verdorben ist. Die Ursach ist unergründlich.

13.

Das Werk im Namen Gottes und mit Gebet anfangen; den Armen nach seinem Belieben und Vermögen etwas austeilen und während der Zeit der Arbeit Gottes andächtig leben und sich aller unnützen und Zeit und Werk verderbenden Gesellschaft entschlagen: Anders er sonsten auf keinen grünen Zweig kommen, noch den Königlichen Berg der Herrlichkeit ersteigen wird.

14.

Wenn er dann als ein Josua den Mond bezwingen und die Sonne zum stille stehen gebracht und sie ins Meer gestürzt und aus ihnen ein unergründliches Meer gemacht, woraus die Gesundheits Quellen aus der Erde Quellen und in den grünen Auen und Bergen und Tälern stießen, solches nicht mißbrauchen, und nicht zur Üppigkeit und Wollust, noch Verschwendung, noch auch zum ungerechten Blutvergießen, sondern zur nötigen Unterhaltung der Seinigen und der Armen anwenden, und diese mit Teil nehmen lassen: Dann dieses geschieht Gott, weil die Armen Gottes sind.

15.

Das unschätzbare Geheimnis vor den Unwürdigen geheim als geheimer halten, und daher keinen Gottlosen, Gottes- und Religions-Verächter, keinen Flucher, keinen Ehr- und Geldgeizigen, keinen Wucherer, keinen Verschwender, keinen Gewalttätigen, Rachgierigen noch Menschen Schinder, keinen Weichling in Völlerei, Sauferei und Hurerei ersoffenen, kurz keinen Lasterhaften und keinen Läppischen, Flattrichen u. s. w., weder Vater noch Mutter, weder Bruder noch Schwester, noch Mann noch Weib, und auch der eigenen Kinder nicht, die von gedachter Art sind, entdecken, das Allsehende Auge der alles durchdringenden Gottheit wird einen solchen Bruder finden und strafen, daher ein jeder vorsichtig sein soll, damit er nicht in die Sünde des Verrats und der Strafe fallen möge, wie es einigen Brüdern schon ergangen ist.

16.

Niemals mit dem Stern der Herrlichkeit prahlen, sondern allezeit zu verdecken suchen, auch denselben an Niemand in Absicht groß, berühmt, hoch und vornehm zu werden, geben, noch weniger solchen um Geld verkaufen, denn umsonst hat es Gott gegeben, umsonst sollen wirs dem, der würdig ist, und ein Bruder wird, mitteilen.

17.

Niemand diesen kostbaren Schatz frech und rühmend anbieten, sondern alles der inwendigen Herzens-Neigung oder dem besonderen Schicksal der Göttlichen Allmacht, Vorsehung und Führung folgen, und dem es Gott gönnt, gerne hingeben, doch auch auf die Spitze des Sonnenberges nicht sogleich auf einmal aufsteigen lassen.

18.

Sorgfältig vor der Eva unser Heiligtum verwahren, doch aber einer Maria nicht versagen, die mit Männern gleiche Würdigkeit hat. Maria, die sogenannte Prophetin und Hildegarde und andere mehr sind würdig gewesen, die Sonnen-Krone auf ihren Häuptern zu tragen.

19.

Wann die Mitteilung geschieht, entweder aufs neue Licht, oder das erste Viertel, oder vollen Mond, oder bis auf den Sonnenuntergang, oder bis auf die Morgenröte, oder bis auf der Sonnen stehen im Hohen Mittag, oder bis auf der Sonnen Verwandlung in ein unergründliches Meer, alles nach der unendlichen vorgepflanzten Richtschnur der Gesellschaft und ihrer Weise verrichten, auch nach seinem Gefallen, nachdem es die Umstände erfordern, besondere Bedingungen, Verbindungen und dergleichen zu machen, nicht aus der Acht lassen; wie es zu seinem und der Brüderschaft Besten ratsam und nützlich und ihrer Verdeckung dienlich ist, sodann dem angenommenen neuen Bruder die Kennzeichen der Bruderschaft sagen und ihm die Liebe, Pflege, Hochachtung, Verschwiegenheit derselben bestens empfehlen.

20.

Da nun ein Bruder ein rarer Paradiesvogel ist; indem die mehrsten der Gesellschaft bald hier bald da, bald unter diesem bald unter jenem Namen, bald so bald so gekleidet auf diesem Ball der Erde herumwallen, und wenige einen gewissen Sitz haben, so muß…

21.

demungeachtet ein jeder Bruder die verborgene Zusammenkunft Pflegen, und täglich bei der Sonnen Aufgang in seinem Gebets-Opfer dieser seiner mit ihm verbundenen unsichtbaren Brüderschaft gedenken, für sie bitten und täglich sich mit ihnen zu einem Herzens-Zweck und Sinn vereinigen und durch Urim und Thummim stärken, auch bei einer Zusammenkunft sich herzlich freuen, ergötzen, und den, der zwischen den Cherubim und Seraphim wohnt, loben und Preisen.

22.

Sein ganzes Herz Gott und der Brüderschaft geben und in aller Treue, Aufrichtigkeit, Wahrheit, verflucht sei das geringste Äderchen, das falsch ist, verflucht sei alle heimliche Sünde gegen den Bruder, verflucht sei der, welcher seinen Bruder verrät, die gerechte Sache Gottes wird ihn treffen und strafen. Gott erbarme sich dessen und lasse solchen gar nicht verderben.

23.

Endlich sein Leben für die Brüder lassen, niemalen weder das Heilige noch Allerheiligste vor den Handlangern entblößen, auch bei einer vorkommenden Verratung weder eines noch das andere, und weder durch Zwang noch durch Gefängnis, weder durch Liebkosung noch Versprechungen, kurz durch keinerlei Weise von sich in die Hände der Unwürdigen geben, und bei Plünderung und Raubung des Geheimnisses den sinnbildischen und verblümten Aufsatz nicht erklären, sondern lieber von Herzen gern sterben, und also Gott, dem Geheimnis und der Bruderschaft getreu sein bis in den Tod.“

Diese Gesetze waren erlassen im Namen Gottes des Vaters, Sohnes und heiligen Geistes und datiert aus dem Jahre nach der göttlichen Geburt 1247. Die Zahl ist keine Jahreszahl, sondern rein kabbalistisch-alchymisch-theosophisch. Die Eins ist das Symbol des Anfangs aller Dinge, Gott und Christus. Die Zwei ist das Werden aus der Vereinigung zweier Prinzipien, Wasser und Feuer, Sonne und Mond, Mann und Weib. Die Summe von Eins und Zwei ergibt die Drei, das Sinnbild der göttlichen Dreieinigkeit. Die Vier ist das Symbol der vier Elemente der Welt, die geheimnisvolle Zahl des Philosophengrades der Rosenkreuzer, sie bedeutet auch die vier Evangelisten. Die Summe der drei ersten Zahlen ergibt die heilige Sieben, das Losungswort des ersten Grades der Rosenkreuzer. Die letzte Zahl ist gleichfalls die Sieben. Die Summe der beiden letzten Zahlen ergibt die Elf, die Zahl der Sünde, der Gottlosen, die auch der elfte Psalm verurteilt und daneben Gottes Gerechtigkeit erhebt. Die Summe der drei letzten Zahlen ist die Dreizehn, die Zahl des Christusgedankens in der Welt, denn dreizehn Tage sind es von Jesu Geburt am 24. Dezember bis zum 6. Januar, dem Fest der Erscheinung, und die Gesamtsumme ergibt Vierzehn, das ist die Zahl des Todes Jesu, der am 14. Nisan ans Kreuz geschlagen wurde. Betrachtet man nun noch die Summen der äußeren und inneren Zahlen, so geben die ersten die Acht, die den Tag der Auferstehung bedeutet, das Geheimnis der Ruhe, während die inneren Zahlen die Sechs ergeben, das Symbol der Tätigkeit. In sechs Tagen hat Gott die Welt geschaffen, sechs Tage sollten die Juden Manna sammeln in der Wüste, sechs Tage sollst Du arbeiten. – Wir sehen die Grundgedanken der rosenkreuzerischen Lehre sind in die Zahl 1247 hineingeheimnist.

Wenden wir uns nun der Lehre selbst zu.

Wir haben in der Ideengeschichte des Klerikats gesehen, daß die Grundlage seiner geheimen Kundschaft rosenkreuzerisch war und sich auf die magisch-alchymischen Werke der Zeit stützte, so auch die Lehre der Gold- und Rosenkreuzer, die in dem letzten Drittel des achtzehnten Jahrhunderts den Orden über ganz Deutschland ausdehnten. Georg von Welling ist ihre Hauptquelle, dessen Gedanken sie zum Teil wörtlich für ihre Instruktionen benutzten. Das Wellingsche vierte Kapitel „Von der uranfänglichen Welt (de mundo archetypo)“, ist fast wörtlich in die Unterrichtsakten des ersten Grades, der Jünger, verarbeitet. Es ist eine Paraphrase und Erklärung der Schöpfungsgeschichte des Moses, verbrämt mit Gedanken der Alchymie und Theosophie. Man bekommt von der Weisheit der Rosenkreuzer einen Begriff, wenn man bei Welling liest: „Nun bestunde das Chaos in dem finstern, grimmigen Feuer Wasser, auf welchem der Geist Gottes schwebte, daher gegen das Schamajim ein liebliches Freuden-Licht und Licht-Wasser ist. In diesem Chaos war nun der widerspenstige Geist mit allem seinem Anhang versperrt und verschlossen und mußte nun erfahren, was es sei, des göttlichen Lichtes ermangeln. … Nun sagt der Text, daß Gott im Anfang geschaffen habe, den Himmel und die Erde, das war nun dies oben bemeldete Chaos; nämlich die Sphären oder Kreise des Lucifers und all sein eingeschaffenes Heer war durch die gerechte Rache des göttlichen Gerichts in diese finstere Mischung zurückgebracht, in welcher die Himmel und die Erde verborgen waren, nämlich die drei Anfänge Salz, Schwefel und Quecksilber, das heißt Schamajim, das ist Feuer wie auch Wasser, nämlich das geheime Salz oder das von Gott dem Allmächtigen einzig geschaffene Wesen, das da auch drei ist, in vieren offenbar worden.“

Solcher Gestalt war der Unterricht in den Geheimnissen, der im nächsten Grad, dem der theoretischen Brüder, fortgesetzt wurde. Auch dafür ist die Quelle bekannt, es ist Christophorus Glaser, „Ordinar-Apotheker Ihrer Durchläuchtigkeit des Hertzogs von Orleans in Pariß“. Er schrieb „Traité de la Chimie, contenant une méthode claire et facile, d’obtenir les préparations de cet art les plus nécessaires à la médecine“, zuerst veröffentlicht 1663, dann unter dem Titel, Novum laboratorium medeco-chymicum“ in deutscher Übersetzung 1677 herausgekommen. Ein anderer Auszug betitelt sich: „Chimischer Wegweiser, das ist sichere Anwendung zur chimischen Kunst, Darinnen durch einen kurtzen Weg und leichte Handgriffe gewiesen wird, wie man allerlei Artzeneyen durch die Chimie bereiten kan. Verlegt von Matthäo Bircknern, Buchh. in Jena und Helmstädt. 1696.“

Von diesen Schriften habe ich nur die letzte einsehen können, es ist ein rein pharmazeutisches Werk, ganz im alchymischen Geist verfaßt, aus dem die Rosenkreuzer lediglich ihre Anweisungen zum Laborieren entnehmen konnten. Ihre theosophischen Lehren fanden sie auch noch für die nächsten Grade in dem Welling’schen Werke.

Das war übrigens schon in der Blütezeit der Rosenkreuzer bekannt. Unter den mir zur Verfügung stehenden Archivalien befindet sich ein Brief des Barons von Schröder, im Orden Sacerdos genannt, wahrscheinlich an den Generalchirurgus Theden in Berlin gerichtet, worin er schreibt: „Ich verehre den Theoret. Salomonischen Grad, nur sehe ich ihn nicht als Ordens-Tradition an, denn er ist aus einem raren Buche ausgeschrieben und sogar mit den sich dort befindlichen Druckfehlern, nämlich aus Glasers novum laboratorium medico-chymicum in der Edition von 1677 im 3ten Teil von pag. 576 bis Ende.“

Zunächst spricht der Unterricht für die Theoretiker vom Zweck dieses Grades, der dahin erklärt wird, daß man durch die Betrachtung der Natur Gott und sich selbst kennen zu lernen habe. Die wahre Weisheit macht aber in der Betrachtung der Natur bei ihrem Urheber den Anfang. Gott, dessen selbständige Vollkommenheit wir besser durch ein ehrfurchtsvolles Stillschweigen und durch die innigste Anbetung, als durch unvollkommene Beschreibungen verehren können – Gott ist der ewige unermeßliche unsichtbare Geist, der da in einem Lichte wohnt, dazu niemand kommen kann; durch dessen heiliges Wort das Unsichtbare sichtbar geworden ist und dessen lebendiger Hauch die ganze Welt beseelt. Nun geht es weiter:

„Als es Gott gefiel, seine Weisheit und Allmacht zu offenbaren, schuf er zuerst Schamajim, das unsichtbare Feuer-Wasser, das die Form und Materie aller Körper enthaltende Chaos. In diesem Chaos war Feuer und Wasser vermengt; nicht dasjenige, so hernach in den daraus erschaffenen Elementen sichtbar worden, sondern das selbst den Elementen zum Urstoff dienende Wasser, das Principium passivum, die den Urstoff aller Körper enthaltende kalte, finstere und feuchte Materie. Feuer, das Principium activum, die lebendig machende bewegende Form und Tinctur, das materialische Siegel der großen immateriellen Hand Gottes und seines erschaffenen ewigen Wortes. Dieses warme, trockene und durchsichtige Feuer ist die Quelle des Lichts und aller Bewegung. Jede Tincturwurzel ist ein Mittelpunkt des Wesens, aus welchem Strahlenlinien entspringen, gegen den Umkreis gehen und sich in ihren Wirkungen vervielfältigen. Da sie aber wegen ihrer Homogenität in sich selbst nicht wirken können, so war ihnen Wasser nötig, welches sie vermöge ihrer Wärme bewegen, vermöge ihrer Trockenheit beständig machen und vermöge ihrer Klarheit durchdringen könnten.“

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Ein Adept in Rosenlreuzer-Darstellung

„Nachdem das Chaos also erschaffen war: so hat Gott ferner in diesem finstern Körper gearbeitet, und ihm von seinem Lichte einige Strahlen eingeschoßen. Gott scheidete die Wasser von den Wassern, und setzte das Materialische und Grobe in das Meer und in die Erde, das subtile und Geistige Wasser aber erhob er und setzte es unter und über das Firmament, damit solches firmamentalische Wasser als ein Instrument oder Mittel dem allgemeinen Weltgeiste oder der Natur Feuer diene, den leidenden, besonders den irdischen Kreaturen als eine Hülfe beigebracht und zugetragen werden.“

„Da die Kreaturen von den abgeteilten Elementen der Lichter erschaffen waren, so sollten sie auch durch Hilfe dieser Lichter leben, und dieses untere Gebäude, die Welt, bewohnen, dessen Beherrschung der Schöpfer den nach seinem Ebenbilde erschaffenen Menschen übergab, und ihn zu segnen versprach, so er anders in Gottes Geboten wandeln und seinem Schöpfer gehorsam sein würde.“

„Das Element ist ein abgesonderter Körper von dem Chaos, in und durch welches die elementirten Dinge bestehen. Der Mittelpunkt dieses allgemeinen Chaos muß die Tugendkräfte der Obern und Untern, ich will sagen des Himmlischen oder Astralischen und Irdischen in sich und bei sich haben, und die Erde in Wasser, dieses in Luft und die Luft in Feuer verwandeln können.“

„Die obern Elemente sind in ihrer Wirkung viel vollkommener und kräftiger, als die untern, wie solches an den Wirkungen des Himmels oder des Feuers abzunehmen ist. Dieses geschieht wegen ihrer eigenen Reinigkeit, durch deren Kraft die untern Elemente die obern verringern und schlechter machen. Vermittelst der Anziehung von den untern, und Ausstoßung oder Ausfluß der obern, kann das Leben der Natur und der ganzen Welt wohl beobachtet und gesehen werden, sie schöpfen Atem und leben von den Ausflüssen der obern Wesen, welche sie den untern mitteilen; und eines wird von dem andern belebt und erhalten. Das Feuer und die Luft sind die obern Elemente. Das Feuer als das erste geht allen andern vor, wegen seiner Reinigkeit, Dünnigkeit und Vollkommenheit. Das elementarische Feuer ist der Himmel oder das Firmament selbsten samt den Sternen. Dieses Feuer hat den allgemeinen Weltgeist, als das Natur Feuer, welches vermittelst der Luft sich allen irdischen Dingen mitteilet und sie belebt, überflüssig bei sich; denn das Leben der Dinge ist nichts anders, als ein Ausfluß des Feuers der Natur in dem lebhaften Körper.

Das Wasser und die Erde sind die untern Elemente. Ihrer beiden Erhöhung ist an der Vortrefflichkeit der obern Elemente gelegen, und wird sonderlich zur Erlangung ihrer Vollkommenheit erfordert, daß sie von den obern Kräften vielmals erhoben und bereichert werden.“

„Die allersubtilste himmlische Elemente haben zu ihren Einwohnern die allerreinsten himmlischen Geister, welche zu Ausrichtung der Befehle des großen Gottes dienstfertig und bereit stehen. Die Geister werden insgemein abgeteilt in