Cover

 

 

 

Bernhard Hatterscheidt

Ludwig Kroner

 

 

Vingsblüten im Herbst

 

 

Edition Lempertz

Impressum

 

Math. Lempertz GmbH
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Alle Rechte vorbehalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Verlages ist es nicht gestattet, das Buch oder Teile daraus zu vervielfältigen oder auf Datenträger aufzuzeichnen.

 

1. Auflage – Oktober 2013

 

© 2013 Mathias Lempertz GmbH

 

Text: Bernhard Hatterscheidt
info@kriminalistenroman.de
www.kriminalistenroman.de
www.facebook.com/kriminalistenroman

 

Text: Ludwig Kroner
info@kriminalistenroman.com
www.kriminalistenroman.com

 

Lektorat: Sarah Kassem, Laura Liebeskind
Umschlagentwurf: Ralph Handmann
Titelbild: fotolia

 

Inhalt

Titel

Impressum

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Weitere E-Books in der Edition Lempertz

 

 

Meiner Miriam und meinen Kindern

Bernhard Hatterscheidt

 

***

 

Als Andenken an Reinhard Schmidt MA, Journalist und Soziologe

Ludwig Kroner

 

Vorwort

Dieser Roman beruht auf Tatsachen. Die Ermittlungen und Vernehmungen orientieren sich an der Wirklichkeit des kriminalpolizeilichen Alltags. Keine der genannten Personen ist so existent. Namensähnlichkeiten sind daher zufällig. Jede Ähnlichkeit mit tatsächlichen Geschehnissen sowie mit lebenden oder verstorbenen Personen ist aber nicht immer rein zufällig. Der Roman soll vor allem ein KRIMINAListenROMAN sein, der sich an der kriminalpolizeilichen Wirklichkeit orientiert. Deshalb sind einige Textpassagen auch diesmal bewusst protokollartig.

Kapitel 1

Samstag, November 2012

Frank Reusch, hauptberuflich mit Leib und Seele für die Sicherheit im öffentlichen Schienenverkehr verantwortlich, hatte sich trotz einer heftigen Rippenprellung an diesem Samstagmorgen um 06.00 Uhr aus dem Bett gequält. Durch einen Moment der Unachtsamkeit hatte ihn sein Sparringpartner kurz vor Rundenende beim Kampfsporttraining mit einem Körperhaken ungebremst am linken Rippenbogen getroffen. Da es jedoch mit großen Schritten auf den Pokalwettkampf im Orientierungstauchen zuging, wollte er in seinem zweiten großen Hobby nicht auf die intensiven Vorbereitungen verzichten. Das tiefe Einatmen fiel ihm schwer und bereitete ihm stechende Schmerzen, aber er gehörte nicht zu den Menschen, die sich dann schonen und zu Hause bleiben. Außerdem verließ sich sein Trainingspartner Mathias Engels auf ihn, und er wollte ihn nicht enttäuschen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit reichlich Kaffee und frisch belegten Brötchen nahm er in seinem Mondeo-Kombi eine Art Schonhaltung ein und fuhr gemächlich von Höhenhaus in Richtung Vingster Bagger- und Badesee. Seine Ausrüstung lag auf dem Rücksitz. Sie bestand aus dem so genannten OT-Gerät – einer Pressluftflasche mit montiertem Kompass und einem durch den Wasserwiderstand angetriebenen Propeller, gekoppelt an einen Meterzähler.

Er war sich nicht sicher, ob er das OT mit gestreckten Armen vor sich her schieben könnte, aber unter Wasser würde es schon gehen, da ihm dort der Auftrieb helfen würde. Die spezielle Tauchmaske mit zweigeteilter Sichtscheibe, die ihm ein relativ großes Sichtfeld unter Wasser bieten würde, und seine alten Rescue Fins, spezielle Wettkampfflossen aus Glasfiberlaminat, hatte er neben sich auf den Beifahrersitz geworfen. Seit Wochen schon überlegte er, ob er sich endlich die lang ersehnte Monoflosse zulegen sollte, doch heute war er froh, dass er mit seiner Rippenprellung keine delfinartigen Bewegungen machen musste. Außerdem würde er sich heute noch mehr darauf konzentrieren, nach dem Start mit keinem Ausrüstungsteil aus dem Wasser zu ragen. Das war ihm bis auf drei Patzer auch in den letzten Wochen gut gelungen.

Als Frank Reusch am saisonbedingt geschlossenen Naturfreibad in Köln-Vingst eintraf, hatte sich Mathias seine Ausrüstung schon zurechtgelegt und sich in den Trockenneoprenanzug gezwängt. Auf Frank wirkte er stets wie ein zu groß geratenes Sams, worüber er jedes Mal frotzelte.

Eine halbe Stunde später waren beide soweit und kontrollierten gegenseitig gewissenhaft die Ausrüstung des anderen, bevor sie ins eiskalte Wasser gingen. Beim Briefing hatten sie vereinbart, dass Frank diesmal vorneweg tauchen sollte. Auf der Wasseroberfläche wippten die verschiedenen Orientierungspunkte, die in einem Kurs auf einer Gesamtlänge von 650 m verteilt waren. Unter Wasser war die Sicht sogar noch trüber, als sie erwartet hatten. Die Sichtweite betrug anfänglich noch etwa vier Meter, verringerte sich aber bei jedem Meter, den sie weiter nach unten tauchten. Für die Disziplin „Orientierung“ waren die Bedingungen optimal.

Sie waren schon sieben Minuten unter Wasser und hatten einige Orientierungspunkte gefunden, als Frank plötzlich seinen OT losließ und verzweifelt gestikulierend zur Wasseroberfläche schwamm. Instinktiv folgte ihm Mathias nach oben.

„Was ist denn mit dir los?“ Mathias begann zu lachen, als er Franks fassungsloses Gesicht sah. Er wirkte, als sei er dem Leibhaftigen begegnet.

„Ich glaub, ich spinne. Da unten steht so’n Anzugträger und hat nach mir gegriffen.“ Franks Stimme klang panisch.

„Na klar. Ist mir auch schon oft passiert. Unter Wasser sind überall Typen, die ständig nach mir greifen. Mann, Frank, die Jungs von der Wettkampfleitung sind total makaber und machen sich manchmal einen Scherz mit uns. Hast du davon noch nichts gehört? Das ist doch ein alter Hut. Ich tauche jetzt noch mal runter und guck mir die Schaufensterpuppe mal genauer an und dann machen wir weiter, sobald wir deinen OT wiedergefunden haben.“ Mathias musste ein Lachen unterdrücken, bevor er unter die Wasseroberfläche abtauchte.

Trotz seines Nassanzugs zitterte Frank Reusch am ganzen Körper. Mit leichten Schwimmbewegungen hielt er sich über Wasser und fragte sich, wie er seinen OT zurückbekommen sollte. Das würde dann eine ganz andere Art des Orientierungstauchens.

Mathias Engels stieß derweil immer tiefer in das trübe Wasser vor. Amüsiert fragte er sich, was sich die Jungs von der Wettkampfleitung da wohl wieder einfallen gelassen hatten. Plötzlich stand der Mann vor ihm – dunkler Anzug, weißes Hemd, Krawatte. Beim Anblick des offenstehenden Mundes und der schreckgeweiteten Augen war sich Mathias Engels schlagartig nicht mehr so sicher, ob es sich tatsächlich nur um einen schlechten Scherz handelte. Als der Lichtstrahl seiner Taschenlampe das Ende der Beine des Mannes erreichte, erkannte er beim zweiten Hinsehen, dass einer der Füße in einem Baukübel mit Beton stand. Schnell schwamm er zur Wasseroberfläche.

„Komm, Frank. Wir müssen die Polizei rufen.“

***

 

Der Beamte der Leitstelle gab um 07.15 Uhr die Angaben von Mathias Engels in die Datenmaske des Einsatzrechners ein.

„Und Sie sind sich ganz sicher, dass Sie einen Mann mit einbetonierten Füßen im Badesee gefunden haben? Sie wissen schon, dass man die 110 nicht zum Spaß anrufen darf?“

Irgendwie beschlich den erfahrenen Einsatzsachbearbeiter der Gedanke, dass hier ein Spaßvogel in der Leitung war, der zu viele Mafiafilme geguckt hatte.

„Jetzt hören Sie mir mal zu!“ Mathias Engels erhob seine Stimme. „Wenn nicht in fünf Minuten ein Streifenwagen hier ist, beschwere ich mich bei Ihrem Präsidenten. Ich habe Ihnen meinen Namen gesagt und meine Rufnummer. Sie schicken mir jetzt sofort Ihre Kollegen hierhin. Am besten gleich auch einen von der Mordkommission!“

„Bleiben Sie bitte dort, Herr Engels. Ich werde alles Notwendige veranlassen.“

Der Leitstellenbeamte hätte sowieso einen Streifenwagen dorthin geschickt, allein um sicherzugehen. Aber nun erledigte er alles etwas schneller. Nicht wegen Mathias Engels, sondern weil der Einsatzrechner bei diesem Einsatzstichwort sowieso Priorität vorgab.

Polizeikommissarin (PKin) Junghain und Polizeikommissar (PK) Savci hatten soeben in Vingst einem Radfahrer 15€ Verwarngeld auferlegt, als sie der Funkspruch der Leitstelle erreichte:

„Naturfreibad Vingst, Leichenfund. Überprüfen Sie die Angaben des Anrufers.“

Als sie eingestiegen waren, hörten sie die lautstarken Proteste des uneinsichtigen Radfahrers nicht mehr, der ihnen nach rief, dass sich die Polizei lieber um die Richtigen kümmern sollte. Ihre Gedanken waren schon beim nächsten Einsatz.

Parallel zur Streifenwagenbesatzung der Polizeiinspektion (PI) 6 wurde Willi Schuster von der Kriminalwache über den Einsatz in Kenntnis gesetzt. Seine Tour hatte an jenem Samstagmorgen Dienst und vorsorglich schickte er schon mal ein Team in Richtung Vingst.

„Lass uns erst mal ein paar frische Brötchen beim Metzger besorgen. Ich habe heute Morgen noch nicht gefrühstückt. Der Metzger liegt auf dem Weg nach Vingst und außerdem haben die Kollegen der PI noch keine Rückmeldung gegeben.“ Kriminaloberkommissar (KOK) Ritter nahm den Auftrag noch nicht so richtig ernst. Außerdem ließ es sich mit leerem, knurrendem Magen sowieso nicht arbeiten. Schlimm genug, dass er schon vor der ersten Tasse Kaffee mit Judith rausfahren sollte.

Kriminalhauptkommissarin (KHKin) Judith Schlowinczyk war seit drei Wochen als Hospitantin auf der Kriminalwache und arbeitete ansonsten als Schießtrainerin bei der Fortbildungsstelle. Ihre Verwendungszeit dort würde bald vorbei sein, und daher hospitierte sie auf der Kriminalwache. Das war für sie die beste Möglichkeit, um wieder bei der Kripo Fuß zu fassen, auch wenn ihr die damalige Zeit als Ermittlerin für Waffendelikte noch ziemlich präsent war. Doch in den letzten fünf Jahren hatte sich so viel bei der Polizei verändert. Das polizeiliche Vorgangsbearbeitungsprogramm „IGVP“ war schon damals für sie die sprichwörtlichen „Böhmischen Dörfer“ gewesen.

„Gute Idee, Hunger habe ich auch. Und wer weiß, wie lange das gleich dauert. Aber beeil dich und bring mir zwei Normale mit Putenbrust und einem Salatblatt drauf mit. Das Geld gebe ich dir nachher zurück.“

Sie hielten vor der Metzgerei und als KOK Ritter schon fast im Laden war, rief ihm Judith durch das geöffnete Seitenfenster hinterher, dass er ihr auch noch einen Kakao mitbringen solle.

 

***

 

Unterdessen waren PKin Junghain und PK Savci am Naturfreibad angekommen. Mathias Engels und Frank Reusch hatten sich derweil aus ihren nassen Taucheranzügen geschält und sich warme Kleidung angezogen. Frank Reusch hielt mit beiden Händen eine Deckeltasse umklammert und versuchte, sich an dem heißen Tee zu wärmen. Es half aber nichts, die Kälte kam von innen. Noch zu tief saß ihm der Schreck in den Gliedern. Immer und immer wieder sah er vor sich, wie die Arme des toten Mannes nach ihm gegriffen hatten.

„Guten Morgen! Mein Name ist Savci, das ist meine Kollegin Junghain.“ Der Polizist deutete in Richtung seiner Kollegin. „Wer von Ihnen beiden hat die Polizei angerufen?“

„Das war ich.“ Mathias Engels machte automatisch einen kleinen Schritt nach vorn. „Wir haben beim Tauchtraining eine Leiche gefunden. Dahinten – etwa in Höhe der Badeplattform.“ Er zeigte zum See.

PK Savci nahm Notizbuch und Stift zur Hand und war ganz Ohr. „Erzählen Sie mal von Anfang an, bitte.“

Mathias Engels erzählte detailliert vom Übungstauchen, dem bevorstehenden Wettkampf und den Geschehnissen unter Wasser: „…und dann bin ich noch mal nach unten getaucht. Zunächst konnte ich vor Lachen kaum atmen, aber als ich so richtig nah an dem Mann dran war, gefror mir das Blut in den Adern. Da unten steht definitiv keine Schaufensterpuppe, sondern ein richtiger Toter aus Fleisch und Blut. Mit einem Fuß im Betonkübel…“

„Wie jetzt? Mit einem Fuß im Beton?!“, fragte PK Savci.

„Was weiß ich denn? Ein Fuß steckt im Betonkübel, der andere nicht. Wenn ich es doch sage. Ich habe nur gesehen, dass ich da weg komme. Auf keinen Fall wollte ich Spuren verwischen.“ Mathias Engels schien – wie sein Kumpel Frank Reusch – einem Zusammenbruch nahe zu sein.

„Haben Sie zufällig erkannt, wer der Mann ist, den Sie da unten gefunden haben?“ PK Junghain schaute in die Gesichter der beiden Taucher, erntete aber nur ein verneinendes Kopfschütteln.

Während sich PK Savci die Personalien und Erreichbarkeiten der Männer aufschrieb, stieg PK Junghain in den Streifenwagen und gab über Funk durch, dass es offensichtlich tatsächlich eine Leiche unter Wasser gäbe.

 

***

 

„Komm, gib Gas, Ritter! Du hast die Kollegin doch gehört.“ KHKin Judith Schlowinczyk wollte jetzt so schnell wie möglich den Naturbadesee erreichen und alles weiträumig absperren, bevor noch mehr Leute da herumliefen.

„Ruhig Blut, Braune.“ KOK Ritter machte eine beschwichtigende Bewegung und grinste. „Wenn das alles stimmt, wird uns die Wasserleiche wohl kaum wegschwimmen. Oder glaubst du an die Auferstehung?“

„Fahr einfach!“ Judith Schlowinczyk spürte, wie ihre Halsschlagader anschwoll. Ganz im Gegensatz zu ihrem Kollegen Ritter war sie voller Elan und Tatendrang. Wenn das „Beamen“ bereits erfunden wäre, würde sie jetzt Scotty vom Raumschiff Enterprise darum bitten, sie augenblicklich von ihrem Sitz zum See zu teleportieren.

 

***

 

Kriminalhauptkommissar Paul Westhoven lag zwar noch im Bett, aber geschlafen hatte er schon seit Stunden nicht mehr. Zu sehr beschäftigten ihn die Ereignisse der letzten beiden Tage. Seine Ex-Frau Maria hatte ihm wieder einmal ihren Anwalt auf den Hals gehetzt. Sie forderte eine überzogene Erhöhung des Unterhalts für die gemeinsame Tochter Fiona. Außerdem forderte ihr Anwalt die Übernahme der Kosten für ein Reitpferd und für den Klavierunterricht. Also quasi einen Gesamtunterhalt, der 120% über der Düsseldorfer Tabelle lag. Vom Jugendamt wurde ihm gleichzeitig Missbrauch des Besuchsrechts vorgeworfen. Taten und Fakten waren dort aufgezählt, die er nie begangen hatte, deren Gegenteil er jedoch nicht beweisen konnte. Aus dem Dienst wusste er: Das Schwierigste, was zu beweisen war, war immer die Unschuld. Im Strafverfahren galt immer die Unschuldsvermutung und die Schuld musste bewiesen werden. Im Familienrecht schien man davon nichts zu halten. Tausende Väter waren so hoffnungslos über den Tisch gezogen worden.

Und oft war das Ergebnis dann wie bei seinem Freund, dem Kölner Polizeiseelsorger. Dessen Tochter war mittlerweile erwachsen. Er wollte wieder Kontakt mit ihr haben. Doch er erhielt nur eine Mail. Folgende Textpassage hatte ihm besonders wehgetan:

“Ich glaube nicht, dass irgendjemand ‚Schuld’ an den ganzen Problemen ist. Man kann lange darüber nachdenken, wie es hätte anders laufen können, wenn jemand dies und jemand anderes jenes getan hätte. Letztlich ist es aber so gewesen, wie es war und alles grübeln hilft nicht. Wir alle haben unsere Wunden und Narben aus der Zeit behalten und werden niemals ohne sein. Ich bin euch nicht böse. Es gab eine Zeit, wo ich euch dafür gehasst habe, was ihr mit unserer Familie und uns Kindern gemacht habt. Aber das ist schon lange her. Ich bin glücklich mit meiner kleinen Familie und meinem Leben ohne euch.“

Westhovens Freund wusste bis heute nicht, was er damals getan haben sollte. Seine Enkelin hatte er noch nie gesehen.

Westhoven seufzte. Seine Frau Anne war über Nacht bei ihren Eltern geblieben. Sie hatte ihrer Mutter versprochen, gemeinsam mal wieder einen Einkaufsbummel zu machen und auswärts zu frühstücken. Das Schreiben vom Jugendamt ließ ihm einfach keine Ruhe. Er war gerade dabei, sich das x-te Szenario auszumalen, als sein Mobiltelefon klingelte. Neuerdings ertönte schrill das Titellied aus dem Vampirfilm „Blade“.

„Hallo Paul, hier ist Willi Schuster. Schon komisch, als wenn es an mir läge. Jedes Mal wenn ich K-Wachen-Dienst habe und du Bereitschaft, passiert was. Ist mir schon langsam peinlich, dass ich dir immer den Tag versaue.“

„Es ist wie es ist, Willi. Mach dir keinen Kopf, gerade heute habe ich viel Zeit. Anne ist bei ihren Eltern und ich hatte mir sowieso nichts anderes vorgenommen.“ Westhoven war froh, dass er für einen Moment das Jugendamt und den ganzen Trubel um seine Ex-Frau vergessen konnte.

Willi Schuster erzählte ihm von dem laufenden Einsatz.

„Ich mach mich auf den Weg. Alarmier bitte noch mein Team und sag denen, dass wir uns in meinem Büro treffen. In spätestens einer halben Stunde, also 08.45 Uhr. Und kümmere dich bitte um Taucher, egal ob unsere oder von der Feuerwehr. Hauptsache, die brauchen nicht so ewig lang, bis die da sind.“

 

***

 

Toni Krogmann traf sich seit Wochen mit ihrer neuen Partnerin und war überglücklich, dass ihre Laura das gleiche für sie empfand und nahezu jede freie Minute mit ihr verbringen wollte. Zu allen Live-Proben war Laura mitgekommen und hatte begeistert zugehört, wie Toni sang. Außenstehende hatten lachend gemeint, dass man nur noch ein Herz um die beiden Frischverliebten herummalen müsste.

„Ach, Scheiße. Das ist jetzt bestimmt ’ne Alarmierung.“ Laura langte zum Mobiltelefon, das neben dem Bett lag, und reichte es Toni. Sie blickte aufs Display. „Unbekannte Nummer, ich sag es ja: Die Arbeit.“

Nachdem sie das Gespräch beendet hatte und sich gerade die Bluse zuknöpfte, stand auch Laura auf.

„Süße, ich fahre dich.“ Sie umarmte Toni Krogmann und küsste sie.

„Das finde ich total lieb von dir, aber du hast frei und brauchst nicht extra aufzustehen.“ Laura war ebenfalls Polizeibeamtin, aber nicht für Mord und Totschlag zuständig, sondern für Taschen- und Trickdiebstahl.

„Was ist denn eigentlich passiert?“

„Ach! So’n paar Tauchheinis haben im Vingster Badesee angeblich eine Leiche gefunden, die einbetoniert auf dem Grund des Sees steht. Wer weiß, was die gesehen haben. Da unten ist es doch so dunkel wie bei einer Kuh im Arsch.“ Toni Krogmann war ziemlich grantig über diese Alarmierung. Den Samstag hatte sie sich ganz anders vorgestellt.

„Für mich klingt das sehr spannend. Eine einbetonierte Leiche. Huha huuhuuu.“ Laura fuchtelte mit den Händen vor Tonis Gesicht herum und versuchte dabei mystisch zu wirken und die Situation ein wenig zu entspannen.

„Für mich klingt das eher nach Verarsche. Trotzdem wird das Stunden dauern. Warte also nicht auf mich und mach wenigstens dir einen schönen Tag. Ich melde mich mal zwischendurch.“ Toni griff sich noch einen Apfel und gab Laura einen Kuss.

 

***

 

Heinz Dember hatte sein Ohr auf Doris’ Brust gelegt und ließ seine rechte Hand sanft auf ihrem Babybauch kreisen. „Hallo, mein Junge. Ich bin’s. Der Papa.“ Seine Stimme klang dabei fast eine Oktave höher, genau so, wie es bei Erwachsenen oftmals ist, wenn sie mit kleinen Kindern sprechen.

„Da, da! Hast du das auch gespürt, Doris? Er hat sich bewegt. Mein Junge hat mich erkannt.“ Heinz Dember war geradezu euphorisch.

„Na klar reagiert er auf deine Streicheleien und deine Stimme, auch wenn er sie nur gedämpft hören kann.“ Doris und Heinz küssten sich.

Die harmonische Situation wurde jäh durch das aggressive Klingeln von Dembers Mobiltelefon gestört.

„Ach nee, ne! Nee, komm, darauf habe ich jetzt überhaupt keinen Bock. Scheiße!“

Nach dem Anruf von Willi Schuster wandte sich Heinz Dember wieder seiner Frau zu, die sofort die Situation erkannt hatte.

„Und? Wo musst du diesmal hin?“

„Schuster hat mir eben gesagt, dass im Vingster Badesee eine einbetonierte Leiche gefunden wurde, und dass ich bis 08.45 Uhr im Präsidium sein soll. Paul dreht mal wieder durch, wir haben jetzt schon 08.25 Uhr und ich habe noch nichts gefrühstückt und angezogen bin ich auch nicht.“

Doris Dembers Gedanken rotierten. Das hörte sich nach einem spannenden Kriminalfall an. Jedenfalls war ihr bisher in ihrer Laufbahn als Rechtsmedizinerin noch keine solche Leiche begegnet. Wie gern hätte sie Heinz den Babybauch überlassen und den Mutterschutzurlaub gegen seine Rufbereitschaft eingetauscht.

„Das hört sich doch spannend an. Du musst mich unbedingt anrufen, wenn an der Sache was dran ist. Das interessiert mich.“ Heinz Dember sah das Funkeln in ihren Augen.

„Wenn ich nur halb so motiviert wäre wie du…“

 

***

 

Paul Westhovens rechte Hand ruhte auf der Tischplatte. Er tippte immer wieder mit den Fingern auf die Bürotischauflage, auf der sich zahlreiche Fotos von ihm und Anne unter einer Klarsichtfolie befanden.

Um 09.12 Uhr kam Heinz Dember herein. Ohne den üblichen Tagesgruß ergriff der Leiter der Mordkommission 6 das Wort. „Hatte ich nicht ausrichten lassen, dass wir uns bis spätestens 09.00 Uhr hier treffen?“ Der Ärger war seiner Stimme deutlich anzuhören.

„Ich habe mich total beeilt. Es ging nicht schneller. Wirklich! Und außerdem kommt bald das Baby. Die Bereitschaft an diesem ─“

Westhoven ließ ihn nicht aussprechen. „Du bist nicht der einzige Mann auf der Welt, der sehnsüchtig sein Kind erwartet. Aber du bist der Einzige, der das als Ausrede dafür benutzt, dass er wieder mal zu spät kommt. Warum nimmst du nicht einfach Urlaub oder dienstfrei? Genügend Überstunden wirst du ja wohl haben!“

„Das wollte ich mir doch bis zur Geburt aufsparen.“

„Mein lieber Heinz, was soll ich denn deiner Meinung nach machen, wenn das hier ein langwieriger Fall wird? Soll ich dann nächste Woche ein neues Kommissionsmitglied einarbeiten? Wie stellst du dir das vor?“

Auch diesmal unterbrach Westhoven, als Dember etwas dazu sagen wollte. „Sag nichts, darüber reden wir, wenn es soweit ist. Pack jetzt endlich deine Sachen und lass uns fahren. Die Kollegen von der PI 6 und von der K-Wache warten schon lang genug auf unser Eintreffen.“

 

***

 

Gegen 09.45 Uhr trafen Westhoven, seine Kommissionsmitglieder, der Erkennungsdienst und der Chef der Rechtsmedizin, Prof. Dr. Dotzinger, am Naturfreibad ein. Sie fuhren bis an das Flatterband heran, das Judith Schlowinczyk um den See gespannt hatte.

„Hallo, Judith. Wir haben uns ja lange nicht mehr gesehen. Was machst du denn hier, ich dachte du bist bei der Fortbildung?“, fragte Westhoven. Er hatte seinerzeit mit Judith den Aufstieg in den gehobenen Dienst an der Fachhochschule gemacht. Und auch eine kleine Affäre mit ihr gehabt – kurz bevor er Anne kennenlernte. Gemeinsam hatten sie den Auswahltest besucht, die Studienzeit hinter sich gebracht und schließlich die Laufbahnprüfung mit dem Ablegen der mündlichen Prüfung abgeschlossen.

„Ich hospitiere seit drei Tagen auf der K-Wache. Meine Zeit bei der Fortbildung ist bald zu Ende und ich guck mich schon mal um, welche Dienststelle mich als nächstes reizen könnte. Ans KK 11 habe ich natürlich auch schon gedacht, aber ich weiß nicht.“ Sie schaute ihn mit ihren großen, braunen Augen an. Westhoven fühlte sich um 20 Jahre zurückversetzt. So hatte sie ihn damals auch immer angestrahlt. Krampfhaft versuchte er, einen klaren Gedanken zu fassen.

„Du findest schon das Passende. Gerade im PP Köln gibt es so viele interessante Dienststellen und das KK 11 ist nur eine davon. Ich drücke dir die Daumen, dass du dich richtig entscheidest. Du kannst ja mal Laut geben, wenn es konkret bei dir wird.“ Westhoven dachte in dem Moment, dass wenn seine Ehe jemals gefährdet wäre, dann wegen Judith. Er hatte sie nie ganz vergessen können.

„Wie geht’s eigentlich deiner Frau, wie heißt sie noch mal?“

„Anne! Heute Morgen ging es ihr noch gut. Und bei dir? Verheiratet, Kinder?“

„Ich habe eine Tochter, mit der ich seit einem halben Jahr allein lebe.“

„Ich muss dann…“ Westhoven spürte, wie er nervös wurde.

„Kannst ja mal anrufen und wir quatschen über alte Zeiten.“ Judith Schlowinczyk blickte ihm nach, als er sich abwandte und in Richtung der Streifenbeamten Junghain und Savci ging.

PK Savci erläuterte Westhoven kurz den Sachverhalt, und dass die Zeugen Reusch und Engels schon auf ihre Vernehmung durch die Mordkommission warteten.

Westhoven bat Toni Krogmann und Heinz Dember zu sich und gab ihnen den Auftrag, die ersten Angaben der Zeugen zu notieren und deren Erreichbarkeiten festzuhalten.

„Und lasst euch genau erklären, wo genau die Stelle im See ist, wo die Leiche sein soll. Ich hoffe, dass die Feuerwehrtaucher gleich hier eintreffen. Unsere eigenen Unterwassercops sind zurzeit nämlich nicht abkömmlich.“

Prof. Dr. Dotzinger, der alles mit angehört hatte, fragte Westhoven, ob er schon eine Idee habe, wie die Leiche aus dem Wasser geholt werden könnte.

„Gute Frage. Wenn ich das mal wüsste. Wahrscheinlich so wie bei den Autowracks – mit Spanngurten und Kran. Hoffen wir, dass die Taucher damit schon Erfahrung haben. Außerdem brauche ich jemanden, der da unten Bilder macht. Ob das allerdings geht, weiß ich nicht.“

Der Chef der Rechtsmedizin lächelte. „Das geht bei dieser Seetiefe relativ problemlos. Ich bin im Urlaub Hobbytaucher, wissen Sie. Der direkte Blick ist zwar wegen der Tauchmaske eingeschränkt, aber ich habe zum Beispiel an meiner Digitalkamera einen Sportsucher anbringen lassen. Und da ich sogar einen kleinen LCD-Monitor habe, kann ich sofort die Bilder kontrollieren. Die Feuerwehrleute haben bestimmt auch so ein Gerät, sonst kann ich gern meine zur Verfügung stellen. Die liegt auf dem Beifahrersitz. Als ich gehört habe, dass es um eine Leiche unter Wasser geht, habe ich die einfach mal mitgenommen.“

Westhoven quittierte das mit einem „Wow“ und einem anerkennenden Nicken.

 

***

 

„Und? Haben wir tatsächlich eine einbetonierte Leiche à la Mafia oder nur falschen Alarm?“ Westhoven drehte sich um und sah Staatsanwältin Sarah Steinmann herankommen. Sie war jung, engagiert und arbeitete erst seit kurzem als Kapitaldezernentin in der Abteilung IX. Ihre roten Designer-Röhrenjeans wurden nur noch von den giftgrünen Gummistiefeln mit Marienkäferapplikationen übertroffen.

„Ja, ja, ich weiß!“, lachte Sarah Steinmann. „Die Stiefel sehen zwar bescheuert aus, sind aber praktisch. Die sind von meiner Nichte, ich komme nämlich grad von da, denn eigentlich wollten wir heute was anderes unternehmen. Und da ich diesmal nicht wieder unpassend mit Highheels gekleidet zum Tatort kommen wollte, habe ich eben meine Pumps gegen diese schmucken Hingucker getauscht. Außerdem sind die gefüttert.“

„Nee! Sieht super aus – echt jetzt.“ Westhoven musste sich zurückhalten, um nicht laut loszulachen. „Können wir davon später auch ein Foto machen? Als Erinnerung!“ Er grinste breit. „Aber okay. Die beiden Taucher da hinten bei Dember und Krogmann haben die Polizei alarmiert, weil sie unter Wasser eine männliche Leiche gefunden haben wollen. Mit den Füßen im Beton. Wir wissen mehr, wenn die Feuerwehrtaucher hier sind und unten waren. Bis dahin ist alles reine Spekulation.“

Er hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als die Feuerwehr mit ihrem Gerätewagen Wasserrettung, dem GW-W, und einem kompletten Tauchteam eintraf.

„Ach, Herr Westhoven. Ich bin übrigens sehr gespannt, wie Sie es schaffen, sich diesmal mit geschlossenen Augen neben die Leiche an den Tatort zu stellen.“ Sarah Steinmann blickte ihn provokativ an.

 

***

 

Etwa zwei Stunden später hatten die vier ausgebildeten Bergungs- und Rettungstaucher der Feuerwehrtauchergruppe bei einer Wassertemperatur von vier Grad Celsius die Leiche samt Betonkübel aus etwa sieben Metern Tiefe vom dicht bewachsenen Grund des Sees geborgen. Prof. Dr. Dotzinger hatte mit der Unterwasserkamera dutzende Fotos gemacht. Das Echolot war aufgrund der genauen Standortangaben von Mathias Engels und Frank Reusch diesmal nicht notwendig gewesen.

Prof. Dr. Dotzinger, Staatsanwältin Steinmann, KHK Westhoven und sein Team, die Feuerwehrleute, das K-Wachen-Team und die Streifenwagenbesatzung sahen sich die gestochen scharfen Fotos auf dem kleinen Monitor auf der Rückseite der Kamera an. Der etwa 60-jährige Mann sah genau so aus, wie Mathias Engels ihn beschrieben hatte. Dunkler Anzug, weißes Hemd, Krawatte. Um die Leiche herum hatte sich mittlerweile eine große Wasserpfütze gebildet. Ein Fuß steckte noch im Betonkübel, der andere lag nackt daneben. Schuh und Socken steckten im Beton.

„Der kommt mir irgendwie bekannt vor, aber ich komm nicht drauf, woher ich den kennen könnte.“ Westhoven beugte sich über den Leichnam.

„Ja, stimmt. Der hat ein bisschen Ähnlichkeit mit diesem Schauspieler. Ach, wie heißt der noch?“ Sarah Steinmann fiel der Name nicht ein. „Guck doch mal nach, ob der einen Ausweis oder so was dabei hat. Vielleicht haben wir Glück.“

Paul Westhoven nahm ein paar Latexhandschuhe aus seiner Jackentasche, zog sie an und tastete den Leichnam vorsichtig von oben bis unten ab. Spurenschonend öffnete er dann das dunkle Sakko, um an die Innentaschen zu kommen. Er klappte die schwarze Geldbörse auf und zog eine Krankenkassenkarte heraus:

 

Rodebrecht Waechter

Geburtsdatum: 15.12.1953

 

Weitere Identitätsunterlagen fand er nicht.

„Komischer Name, Rodebrecht. Habe ich noch nie gehört“, sagte Heinz Dember.

„Das ist ein Vorname aus dem Althochdeutschen und bedeutet soviel wie Ruhm und glänzend“, sagte Prof. Dr. Dotzinger und merkte an, dass neben der Fotografie auch die Onomastik, die Lehre über die Herkunft und Bedeutung von Namen, eines seiner Steckenpferde sei.

„Unter Ruhm und glänzend versteh ich was anderes. Das Einzige, was hier noch glänzen wird, ist nachher die Lichtbildmappe mit den Fotos auf Hochglanzpapier“, sagte Dember.

„Heinz, bitte. Ist gut.“ Westhoven blickte ihn kopfschüttelnd an. „Überprüf mal sofort den Namen, ob wir zu dem was haben.“

„Herr Professor!“, sagte Steinmann. „Können wir noch heute obduzieren? Mich interessiert die Todesursache, auch wenn es offensichtlich ist, was passiert sein könnte. Aber ich will sicher sein.“

„Kein Problem. Mein Team habe ich bereits alarmiert. Sobald die Leiche im Institut ist, können wir beginnen. Es liegt also an Ihnen.“

„Können Sie denn auf den ersten Blick sagen, wie lange der Mann schon unter Wasser gestanden hat?“

„Frau Steinmann, Sie werden sicher verstehen, dass ich mich zu keinerlei Spekulationen überreden lassen möchte. Bei der Verwesung von Wasserleichen spielt die Wassertemperatur eine ganz entscheidende Rolle. Die Jahreszeiten, ob Sommer oder Winter, sind ebenso wichtig und bei der Berechnung zu berücksichtigen. Aber meinetwegen, ich prüfe mal vorab einige Eckdaten.“ Professor Dr. Dotzinger zog sich nun auch Gummihandschuhe über, musterte eindringlich die Fingerbeeren und die Hohlhand des Toten und stellte mittels Rektalmessung die Körperkerntemperatur fest.

„Hmmh! Es gibt ein paar Richtwerte. Und ich meine Richtwerte. Also – ohne Gewähr – gehe ich davon aus, dass die Leiche ca. 2-4 Tage im Wasser war. Das muss reichen, Begründung folgt später.“

„Danke!“ Sarah Steinman hakte nicht nach; sie war sich dessen bewusst, dass Prof. Dr. Dotzinger zurzeit zu keiner näheren Eingrenzung bereit war.

Der Leichnam wurde von den Bestattern des Leichenfuhrwesen in eine weiße Plastikhülle gelegt. Für einen Transport im Zinksarg war der Betonkübel einfach zu groß.

Bevor auch KHK Westhoven den Bereich des Badesees verließ, übergab er diesmal Toni Krogmann allein die Verantwortlichkeit der Tatortaufnahme. Dember wollte er lieber unter seiner persönlichen Aufsicht haben. Sodann besprach sich Toni Krogmann mit den Kräften des Erkennungsdienstes, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Auf der Rückfahrt zum Präsidium fragte Westhoven Dember nach dem Schreiben des Kriminalkommissariates 32 und was die Internen von ihm wollten.

„Keine Ahnung, Paul. Ich habe den Umschlag noch nicht geöffnet. Das wollte ich Montag machen. Hatte keine Lust, mir das Wochenende zu versauen.“

„Na, das ist aber jetzt doch anders gekommen.“

 

***

 

Im Präsidium angekommen, widmete sich Dember der Identitätsfeststellung des Toten, während Westhoven sich um einige Formalitäten kümmerte. Da sein Kriminalinspektionsleiter in Urlaub war, informierte er Bert Stellmacher, den Leiter der Kriminalpolizei, über das nicht „alltägliche“ Tötungsdelikt. Danach setzte er die Pressestelle ausführlich in Kenntnis, wies aber darauf hin, dass sich Frau Steinmann ausdrücklich eine Pressemitteilung vorbehalten habe. Für den Leiter der Pressestelle war das nichts Neues, denn in sämtlichen Tötungsdelikten wurde sowieso nach diesem Prozedere verfahren. Danach schrieb er die Anforderung für einen Polizeihubschrauber, der Luftaufnahmen vom Naturbadesee und den Anfahrtswegen machen sollte.